„Ihr müßt euch doch schon ein großes Vermögen zusammengestohlen haben!“
„„Schurke, entgegnete Matteo beleidigt: wer stiehlt unter uns. Hältst du uns für Straßenräuber, Beutelschneider, oder für Verwandte dieses Lumpengesindels?““
„Vielmehr für noch etwas ärgers; denn offenherzig gesprochen, Matteo, jene plündern doch nur die Schränke und Geldbörsen, die sich immer wieder füllen lassen, aber wir nehmen dem Menschen ein Kleinod, das er nur einmahl hat und einmal nur verlieren kann. Sind wir nicht noch tausendmahl ärgere Räuber?“
„Beim heiligen Klas, Abaellino, ich glaube, du willst moralisiren?“
„„Ha, ha, ha, ha!““
„„Nun was schwazzest du da?““
„Höre, Matteo, noch eine Frage: wie finden wir uns dereinst mit dem Weltrichter ab?“
„„Ha, ha, ha!““
„Glaube nicht, daß es dem Abaellino am Muth fehlt; sieh, ich will auf deinen Befehl das halbe Venedig erwürgen, aber — —“
„„Närrchen, als Bandit mußt du dich über die Fabel von Tugend und Sünde hinweg sezzen. Was ist Tugend, was ist Laster? nichts, als ein Etwas, welches die Landesverfassung, Gewohnheit, Sitte, Erziehung geheiligt hat; und was Menschen heiligen, können auch Menschen entheiligen; hätte der Senat die freimüthigen Urtheile über die venetianische Polizei nicht verboten: so wäre die Aeusserung solcher Urtheile keine Sünde. Gott frägt nicht nach Menschensazzungen, sondern nach seinem Willen. Wen er von uns zur Seligkeit bestimmt hat, der wird einmal selig, und wen er verdammt hat, der bleibt verdammt in alle Ewigkeit, und wenn er gleich nach menschlicher Meinung ein Heiliger wäre. Also über die Sorgen sezz’ dich hinweg. Wir sind Menschen, so gut wie der Doge und seine Senatoren; wir können so gut, wie sie Gesezze geben, und aufheben, und bestimmen, was Sünde und Tugend sein soll.““