„Mit fünf erbärmlichen Gaunern mach ich kein Complot wider die Menschheit. Ich allein muß die Republik zittern machen, und jene meuchelmörderischen Buben sollen in acht Tagen hängen. Fünf Banditen soll Venedig nicht füttern, aber einen, einen einzigen, und dieser soll dem Dogen die Spizze bieten, soll über Recht und Unrecht in der Republik wachen. Ehe acht Tage verfliegen, soll der Staat gereinigt sein von dem Auswurf des menschlichen Geschlechts, und dann steh ich noch allein da. An mich allein müssen sich alle jene Schurken von Venedig wenden, welche meine Spiesgesellen vormahls zum Morde der Rechtschaffnen gedungen haben. Ich lerne nun die feigen Mörder, die vornehmen Buben kennen, die den Matteo sonst und seine Knechte bezahlten — ha, Abaellino! Abaellino! — —“

Er taumelte, trunken von seinen Hofnungen durch den Garten, rief einen Gondelier herbei, sezte sich in die Gondel und eilte zu der Wohnung der kleinen Molla, wo alles schon im Arm des Traumgotts hingestorben lag.

Sechstes Kapitel.
Rosamunde, die schöne Nichte des Dogen.

„Hör Bursche!“ sprach Matteo am folgenden Morgen zum Abaellino: „heute sollst du dein Probestük in der Kunst machen!“

„„Heute?““ murmelte Abaellino durch die Zähne: „Wem gilts?“

„Es ist freilich nur ein Weib, allein man muß jedem den Anfang erleichtern. Ich will dich selber begleiten, und sehn, wie du dich bei dieser Probearbeit benehmen wirst!“

„„Hm!““ sagte Abaellino, und maß den Matteo vom Wirbel bis zu den Sohlen.

„Heut Nachmittag um die vierte Stunde gehn wir mit einander, gut gekleidet in den Garten von Dolabella, auf der Südseite von Venedig. Hier pflegt die Nichte des Dogen Andreas Gritti, die schöne Rosamunde von Corfu zu baden, und nach dem Bade allein zu lustwandeln. Und dann — nun weißt du’s.“

„„Und du begleitest mich?““

„Ich will von deiner ersten That ein Zuschauer sein; so pfleg ichs zu halten bei jedem! —“