„„Wie tief der Stos?““
„Bis aufs Leben! die Bezahlung ist fürstlich; ich empfange sie nach Rosamundens Tode.“
Es wurde alles übrige verabredet. Der Nachmittag erschien. Es schlug in der benachbarten Benediktinerkirche vier Uhr, und Matteo und Abaellino machten sich auf den Weg.
Sie kamen in den Dolabellischen Garten, der heut ungewöhnlich volkreich war; Menschen beiderlei Geschlechts durchirrten die umbüschten Gänge; in allen Lauben sassen die Edlen von Venedig; in allen Winkeln seufzten liebende Paare der angenehmern Dämmerung des Abends entgegen; und von jeder Seite scholl Vokal- und Instrumentalmusik um das schwelgende Ohr.
Abaellino mischte sich unter die Spaziergänger; er hatte seinen Kopf in eine ehrwürdige Perükke verstekt, die Attitüde eines podagrischen Alten angenommen und schlich so an einem Krükkenstok durch die Versammlung. Seine goldreiche Kleidung verschaffte ihm allenthalben Zutritt, jeder lies sich mit ihm in Gespräche über Witterung, Kommerz der Republik und die Kriege der Ausländer ein, und Abaellino wußte angenehm zu unterhalten.
So erfuhr er nun auch, daß Rosamunde im Garten sei, wie sie sich heut gekleidet, und in welcher Gegend sie wandele.
Sogleich schlich er dahin. Matteo verfolgte ihn auf den Fus.
In einer entlegnen Laube sas die größte Schönheit Venedigs, Rosamunde von Corfu.
Abaellino näherte sich der Laube; er wankte vor dem Eingang derselben, als ein Ohnmächtiger umher, und erregte Rosamundens Aufmerksamkeit. „Ach!“ seufzte er: „ist denn niemand, der sich eines schwachen Greises erbarmet?“
Die schöne Nichte des Dogen sprang eilig hervor aus der Laube, dem alten Mann zu helfen. „Was ist Euch, lieber Vater?“ fragte sie mit einer süßen Stimme, und besorgtem Blik.