Rosamunde machte eine Bewegung, als wollte sie entfliehn. Aber plözlich verwandelte sich der schwache Greis vor ihren Augen. Er der vor einer Minute ohnmächtig nur lallen konnte, und zitternd da sas, sprang auf wie ein Riese und hielt sie zurük in seinen Arm.
„Um Gotteswillen, laßt mich!“ rief sie.
„„Fräulein, seid sorglos, ich beschüzze euch!““ entgegnete Abaellino nahm ein kleines Blech in den Mund und pfiff.
Plözlich sprang der lauernde Matteo aus einem Gesträuch hervor und in die Laube hinein. Abaellino zog den Dolch, schleuderte Rosamunden hinter sich, gieng dem Matteo einen Schritt entgegen und stieß ihm das Messer ins Herz.
Ohne einen Laut von sich zu geben, stürzte der Banditenhauptmann zu Abaellinos Füßen nieder und röchelte und gab nach vielen gräslichen Verzukkungen den Geist auf.
Jezt sah der Mörder Matteo’s hinter sich, und erblikte Rosamunden halbohnmächtig auf der Rasenbank.
„Nun ist dein Leben gerettet, schöne Rosamunde, sagte er: da liegt der Schurke, der mich zu deiner Ermordung hieher führte. Sei ruhig, geh hin zu deinem Oheim Andreas Gritti, und sage, Abaellino habe dein Leben erhalten!“
Rosamunde konnte nicht sprechen. Bebend strekte sie ihre Arme aus, ergrif Abaellinos Hand und küßte sie mit stummer Dankbarkeit.
Abaellino sah die schöne Leidende an, und wer konnte hier gefühllos bleiben? Man denke sich ein Mädchen, das kaum neunzehn Sommer dieses Lebens gesehen hatte; den schlanken Gliederbau verstekt in ein weises, tausendfaltiges leichtes Gewand, mit einem großen, blauen Augenpaar, aus welchem die reinste Unschuld sprach, einer Stirn, weis wie Elfenbein, über welcher das schwarze lokkigte Haar sanftgeringelt herabquoll, Wangen, die der Schrek izt gebleicht hatte, Lippen, die nie ein Verführer mit seinem Kusse vergiftet, einen Busen, den der keusche Flornebel vergebens verbergen wollte. Man denke sich dieses Geschöpf, woran die liebende Natur nichts vergas, um es zum Ideal weiblicher Schönheit zu erheben — und man wirds dem ungestümen Abaellino nicht verargen, wenn er einige Minuten entgeistert dastand und sich um die Ruhe seines Herzens betrog. —
„O, bei Gott! rief er: Rosamunde, du bist schön, schön wie Emmoina! —“ Er bog sich über sie hin und drükte einen brennenden Kuß auf ihre blasse Wange.