„„Geh, schreklicher Mensch!““ lispelte sie.

„Ach, Rosamunde, warum bist du so schön, und warum bin ich — weißt du wer dich küßte, geh, und sage dem Dogen laut: der Bandit Abaellino!“

Er sprachs und verschwand aus der Laube.

Siebentes Kapitel.
Fortsezzung.

Und in der That hatte Abaellino Ursach zu eilen; denn wenige Minuten, nachdem er die Laube verlassen hatte, verirrten sich mehrere Spaziergänger in dieser Gegend her, die bald den ermordeten Matteo, und die todtenblasse Rosamunde erblikten.

Man versammelte sich um die Laube: es strömten immer mehrere Personen herbei und Rosamunde mußte fast jedem die Begebenheit der vergangnen Augenblicke erzählen.

Es befanden sich unter den Herbeieilenden verschiedne Hofleute des Andreas Gritti; man rief ihre Gesellschaftsdamen und Zofen herbei, rief ihrer Gondel und so begab sich das arme Mädchen in den Pallast ihres Oheims zurük.

Vergebens hielt man alle andern Gondeln an, vergebens untersuchte man alle Gäste des Dolabellischen Gartens, der sogenannte Bandit Abaellino war verschwunden. —

Der Ruf dieser Geschichte flog durch ganz Venedig; jedermann bewunderte Abaellinos That, bedauerte die arme Rosamunde, verfluchte denjenigen, der den Matteo zu ihrem Morde besoldet hatte, und suchte alle diese unzusammenhängenden Fragmente mit dem Kitt der Hypothesen, so gut, wie gewisse deutsche Philosophen ihre Systeme, zusammenzuflikken.

Am Ende entspann sich hieraus der schönste Stoff zu einem abentheuerlichen Roman, oder Trauerspiel, betitelt: Die Gewalt der Schönheit. Denn Abaellino hätte wahrscheinlich Rosamunden den Dolch ins Herz gestossen, meinten die venetianischen Damen und Herrn, wäre Rosamunde minder schön gewesen.