Zulezt beneideten die Venetianerinnen Rosamunden sogar um das Abentheuer; man fieng schon an über den Kus des Banditen zu medisiren. Hm! sagten einige: was kann die schöne Rosamunde ihrem Erretter nicht in der Angst erlaubt haben! — Und wird, riefen andere: und wird der Kerl mit einem schönen Mädchen, dem er das Leben erhielt, allein sich mit einem einzigen Kusse begnügt haben? — Freilich! entgegnete man: Banditen pflegen sonst so sehr galant nicht zu sein und in der Liebe zu platonisiren! —

Mit einem Worte, Rosamunde und der häsliche Abaellino waren so lange der Gegenstand müßiger Schwäzzer und Schwäzzerinnen, bis man endlich die Nichte des Andreas Gritti die Banditenbraut betitelte.

Keiner aber war aufgebrachter, als der Doge. Er gab sogleich Befehl, man solle wachsamer als je auf alle und jede verdächtige Personen sein; die Nachtwachen wurden verstärkt, es wurden alltäglich Spione ausgesandt, aber vergebens, man entdekte keine Spur von den Banditen.

Achtes Kapitel.
Entdekkungen.

„Verdammt!“ rief am andern Tage der wilde Parozzi, ein venetianischer Nobile erstern Ranges, und ging mit großen Schritten durch sein Gemach: „Verdammt sei die Ungeschiklichkeit des Schurken! aber in der That, ich begreif es noch gar nicht, wie sich das alles zugetragen hat! — Weis man von meinen Plänen? hat Bembi Rosamundens Liebe? Wer hat den Abaellino wider den Matteo ausgeschikt? — Bembi vielleicht? — gewis! — Und wird der Doge nun nicht fragen: wer hat Mörder wider meine Nichte ausgesandt? wer kann es anders gewesen sein, als Parozzi, der unglükliche Liebhaber, dem die schöne Rosamunde einen Korb gab, und Andreas Gritti unhold ist? wird man sagen. — Pfui! — Parozzi — Parozzi! und wenn der schlaue Gritti all deine Pläne entdekte, wenn er wüßte, daß du an der Spizze mehrerer Leichtsinnigen — Leichtsinnigen? ja doch, was sind die Knaben anders, die um der Ruthe zu entgehn, den Eltern das Haus übern Kopf anzünden wollen? — Parozzi, wenn das alles dem Gritti verrathen würde!“

Er wurde in seinen Betrachtungen gestört. Memmo, Falieri und Contarino traten herein, drei junge Venetianer vom besten Adel, Parozzis tägliche Gesellschafter, am Geist und Körper verdorbne Menschen, Springinsfelde, Bonvivants, die allen Wucherern in Venedig mehr schuldig waren, als sie jemals mit ihrem väterlichen Erbe bezahlen konnten.

„Aber, Brüderchen, rief Memmo, dem das Laster in der grauen Gesichtsfarbe, dem trüben Blik und den rothblauen Ringen um den Augen verrieth; um des Himmels Willen, ich bin ausser mir, hast du den Matteo wider die Nichte des Andreas Gritti ausgeschikt?“

„„Ich?““ sagte Parozzi, und drehte sich um, um die Todtenblässe zu verstekken, die ihm über das Gesicht flog: „„kein Gedanke — ich glaube, du schwärmst!““

Memmo. Wahrhaftig, ich spreche im ganzen Ernst; frag nur den Falieri, der kann dir mehr erzählen.

Falieri. Höre, Parozzi, der Procurator Sylvio hats dem Dogen als eine heilige Wahrheit beschworen, daß kein andrer, als du, den Matteo zu Rosamundens Ermordung bestellt habest.