Erstes Buch.
Erstes Kapitel.
Venedig.S. [1.]
Zweites Kapitel.
Die Banditen.[8.]
Drittes Kapitel.
Die Banditenwohnung.[12.]
Viertes Kapitel.
Banditenphilosophie.[17.]
Fünftes Kapitel.
Die Einsamkeit.[23.]
Sechstes Kapitel.
Rosamunde, die schöne Nichte des Dogen.[27.]
Siebentes Kapitel.
Fortsezzung.[33.]
Achtes Kapitel.
Entdekkungen.[36.]
Neuntes Kapitel.
Mollas Häuschen.[45.]
Zweites Buch.
Erstes Kapitel.
Der Geburtstag.[56.]
Zweites Kapitel.
Flodoard.[68.]
Drittes Kapitel.
Neuer Lärm.[76.]
Viertes Kapitel.
Das Veilchen.[81.]
Fünftes Kapitel.
Abaellino.[92.]
Sechstes Kapitel.
Die Entdekkung.[97.]
Drittes Buch.
Erstes Kapitel.
Flodoard und Rosamunde.[104.]
Zweites Kapitel.
Ein fürchterliches Versprechen.[111.]
Drittes Kapitel.
Die nächtliche Verschwörung.[121.]
Viertes Kapitel.
Der wichtige Tag.[127.]
Fünftes Kapitel.
Höllenangst.[134.]
Sechstes Kapitel.
Geistererscheinungen.[140.]
Siebentes Kapitel.
Nachschrift.[156.]

Abaellino,
der
große Bandit.

Erstes Buch.

Erstes Kapitel.
Venedig.

Es war Abend. Ungeheure Wolkenstreifen, halb vom Schimmer des Mondes erleuchtet, bogen sich rippenförmig am Horizont hinab und durch ihnen schwamm der Vollmond in stiller Majestät hin, und sah sich verherrlicht von jeder Welle des adriatischen Meers. Still wars umher, leise tanzten die Wogen am Winde, leise hauchte der Nachtwind über die todten Palläste Venedigs hin.

Da sas noch ein junger Mann, einsam und traurig in der Mitternachtsstunde am langen Kanal; bald hob er das Auge zu den stolzen Zinnen und Thürmen von Venedig empor, bald senkte er den Blik in die Wellen. Nach einer Weile sprach er:

„Verdammt! da sizze ich nun in Venedig, und weis nicht, wie weiter! Was soll daraus werden? Alles schläft, nur ich nicht. Der Doge wälzt sich auf seinem Dunenlager, der Bettler auf seinem Strohbett — und ich lieg hier auf der kalten, nakten Erde. Der elendeste Gondelier, der ärmste Bootsknecht kennt am Tage seine Arbeiten und Nachts seine Ruhestatt, und ich — und ich — o es ist ein schrekliches Schiksal, das mit mir sein Spiel treibt! —“

Er fing an seine Taschen zu untersuchen, mit den Fingern jede Falte des Kleides zu biegen, und zu visitiren.

„Auch keinen Heller! — und mich hungert doch!“

Er besah seinen Degen im Mondschein und seufzte: „Nein, alter, treuer Gefährte, dich verkauf ich nicht; sollst mein bleiben und wenn ich verhungerte. Nicht wahr, damahls wars noch goldne Zeit, als dich Emmoine mir gab, mir das Bandelier über die Achseln warf, und ich dich und Emmoinen küßte — (Pause) Sie ist nun tod, wir beide leben noch!“