Er wischte sich eine Thräne von den Wimpern.

„Nein, das war keine Thräne; die Nachtluft geht kühl und da wird das Auge leicht nas. (Lächelnd) Hm, ich weinen! — weinen! ha, ha, ha! —“

Der Unglükliche, dies schien er, wenigstens seinen Reden nach zu sein, stämmte den Ellbogen auf die Erde, wollte mit den Zähnen knirschen — und pfiff. — „Ich müßte nicht Ich sein, dachte er bei sich: wenn ich kleinmüthig würde unter dem Fluch des Schiksals.“

In dem Augenblik hörte er in der Nachbarschaft ein Geräusch. Er sah in einem vom Monde halbhellen Nebengäschen einen Kerl auf und niederschleichen.

„Den führt mir Gott zu — ich will — ich will betteln! Betteln ist keine Schande, aber neapolitanische Schurkereien schänden. Auch, der Bettler kann gros denken.“

Mit diesen Worten sprang er auf und ging in die Winkelstraße. In eben den Moment trat von der andern Seite ein Mensch in diese Gasse. Der schleichende Kerl trat mit einemmale in den Schatten zurük, als verstekte er sich vor dem Ankommenden.

„Was soll das bedeuten?“ dachte unser Bettler: „ist der Schleicher dort etwa ein unbefugter Handlanger des Todes? haben ihn auch Vettern und Basen bestochen, um das Geld desto ruhiger in Besiz zu nehmen, was dem armen Schelm izt noch angehört, der dort so unbefangen herschlendert? warte!“

Er zog sich in den Schatten zurük und schlich dem Lauerer nahe, der keine Bewegung machte. Der fremde Mann war schon dem Lauerer und unserem Bettler vorüber, als jener mit bangen Schritten rasch hinter ihn her schlich, die rechte Hand erhob, worinn ein Dolch schimmerte, und eh’ er sich versah von dem Bettler zu Boden gestürzt wurde.

Der fremde Herr drehte sich um; der Bandit sprang auf und entfloh; der Bettler lachte.

„Was war das?“ fragte der Fremde?