Gritti. Bestätigt es sich, daß ihr die Banditen in Venedig aufgespürt habt?

Flodoard. Ich zweifle nicht daran sie aufspüren, und sie euren Gerichten überliefern zu können.

Gritti. Das wäre in der That von einem Fremdling viel. Ich bin begierig zu wissen ob ihr Wort halten könnet.

Flodoard. Morgen oder Uebermorgen Durchlauchtigster Herr, hab ich mein Versprechen erfüllt.

Gritti. Und das verspreche ihr so fest? Wißt ihr was es heißt, Banditen zu fangen? dies Gesindel ist unsichtbar und allgegenwärtig, man sieht es allenthalben, und nirgends, und noch ist es den Polizeibedienten der Republik nicht möglich gewesen diese Brut zu erhaschen, wiewohl kein Winkel in Venedig existirt, den unsre Spione nicht kennen, nicht durchstöbern.

Flodoard. Ich schäzze mich glüklich dem großen Dogen von Venedig mich durch solches Probestük empfehlen zu können.

Gritti. Wenn ihrs vollbracht habt, dann kommt zu mir. Jezt wollen wir uns der Freude überlassen, der dieser Tag geheiligt ist. — Führt meine Nichte zum Tanz, wenn ihr wollet.

Flodoard. Ein angenehmer Befehl. —

Rosamunde stand an den Sessel ihres ehrwürdigen Oheims gelehnt, und musterte den Grafen, und dachte an Canari’s Worte: ihn sehn und ihn nicht lieben hält so schwer, als einen Blik ins Paradies werfen, ohne lüstern zu werden. Und Rosamunde gab dem alten Canari recht. Ein helles Roth überflog sie, da der Oheim den Befehl gab, sie war verlegen, und wußte nicht, ob sie vor oder zurüktreten müßte.

Und wären manche meiner Leserinnen in Rosamundens Stelle gewesen, so zweifle ich gar nicht, daß sie in gleiche Verlegenheit gerathen wären. Denn eine Gestalt, wie die Gestalt des Flodoard, ein Gesicht mit einer so empfehlenden Physiognomie, mit solchen karakteristischen Zügen, die dem Künstler nichts mehr übrig ließen, wenn er das Ideal männlicher Schönheit darstellen wollte, Züge, welche laut sprachen, dieser Jüngling trägt ein Heldenherz im Busen — ach, die können ein armes, schwaches, unbefangnes Mädchen leicht in Verlegenheit sezzen.