Iduella. Ich tadle dich auch gar nicht, liebes Kind, sondern ich habe dir ja selber gestanden, daß, wär ich in deinem Alter, und ein Flodoard erschiene, und bettelte oder bettelte nicht um meine Gunst, ich ihm gewis nicht böse sein würde. — Flodoard bleibt unstreitig ein angenehmer, und, für jedes Mädchen von Geschmak, sehr gefährlicher junger Mann. Er hat viel Einnehmendes in seiner Gestalt, viel Reiz in seinem Umgang, viel schöne Züge in seinem Karakter — — aber er ist ein armer Edelmann, dem der Doge von Venedig unmöglich seine Nichte zur Gemahlin geben kann und wird.

Rosamunde. (lächelnd) Ei, wer spricht denn von Gemahlin werden? ich will ihm ja nur — — nur gut sein.

Iduella. So? also, würdest du zufrieden sein, wenn Flodoard sich mit einer andern Venetianerin — — —

Rosamunde. (schnell) O das thut er gewiß nicht.

Iduella. (lächelnd) Liebes Kind, du willst dich so gern selbst betrügen. Aber thu es nicht. Ein Mädchen, welches liebt, verknüpft mit den Gedanken an ihre Liebe zugleich den Wunsch einer ewigen Verbindung. Und den Wunsch darfst du hier gar nicht hegen, ohne deinen Oheim zu beleidigen, der, er mag der beste Mann von der Welt sein, doch dem eisernen Gesez der Politik und Etikette gehorchen muß.

Rosamunde. Ja, ja, ich weis das sehr gut. Sieh nur, ich will ihn auch nicht lieben, sondern, ich will nur seine Freundin sein. Und er verdiente gewiß, daß ich ihm gut bin; ach, glaube nur Flodoard verdient noch weit mehr.

Iduella. Und Freundschaft und Liebe, — o, Rosamunde, du kennst diese Gäste nicht. Freundschaft und Liebe vertauschen oft ihre Masken unter einander. Die Liebe hängt oft den Mantel der Freundschaft um, wenn man sie in ihrer eigenthümlichen Gestalt nicht dulden will. — Mit einem Worte, liebes Kind, denk an deinen Oheim, denke daran wieviel du ihm schuldig bist, und opfre ihm eine Grille deines Herzens auf.

Rosamunde. Ja, ich glaube beinah selber, daß nur eine vorübergehende Laune bei mir ist. Ich will den Flodoard nicht mehr lieben. Du kannst dich darauf verlassen. — Ich bin ihm jezt gar nicht mehr gut, wenn ich daran denke, daß er mich von meinem lieben Oheim abwendig machen will.

Iduella. (lächelnd) Solltest du so viele Gewalt über deine rebellischen Empfindungen haben?

Rosamunde. Gewiß. Es wird sich zeigen. Ich bin ihm gar nicht mehr gut, dem Verführer.