Iduella. (mit einem scharfen Blik auf sie) Gar nicht mehr gut?
Rosamunde. (seitwärts blikkend) I nun ja, wohl noch etwas; denn hassen kann ich doch den armen Flodoard nicht; das hat er nicht verschuldet.
Iduella. Nun, wir sprechen uns wieder. Vergiß deinen schnellen Vorsatz nicht so rasch, als er dir auflog. Ich will einen Besuch ablegen; die Gondel erwartet mich.
Iduella verlor sich in den Gängen des Gartens und Rosamunde schlich langsam umher und träumte und dachte, wünschte und verdammte, sehnte sich wonach und wollte sich nicht das Ziel ihrer Sehnsucht gestehn.
Es war ein heißer Sommernachmittag, und Rosamunde sah sich um nach einem schattigten Pläzchen. Sie suchte die Fontaine auf, neben welcher eine kleine Rasenbank angelegt war, worüber die zauberischen Hände der Kunst und Natur ein Nez von Jasmin und Epheu gewebt hatten. Dieß Pläzchen suchte sie auf; sie kam zur Fontaine, drehte sich um die Hekken und — ach! erröthend flog sie zurük, denn Flodoard sas auf dem Rasenbänkchen unter dem Jasmin- und Epheunez neben der Fontaine und las in einem Bündel Schriften.
Rosamunde wußte nicht ob sie fliehn, oder stehn bleiben müsse. — Flodoard sprang auf, so bestürzt er auch war, und rettete sie aus der Verlegenheit, indem er ihr die Hand küßte.
Jezt, wenn sie nicht wider allen guten Ton sündigen wollte, mußte sie stehn bleiben.
Flodoard behielt ihre Hand in der seinen — was konnte sie davor, daß er auf den sehr natürlichen Einfall kam? die Hand zurükzuziehn? — je nun, er that ja der Hand nichts zu leide, und schien in ihrem Besiz so glüklich zu sein — und wie konnte Rosamunde die namenlose Grausamkeit begehn, und jemanden ein Glük rauben, das ihrem Glükke nicht widersprach?
„Fräulein, sagte Flodoard, um doch etwas zu sagen; der schöne Nachmittag ists werth, daß man ihn im Freien verlebt!“