„Wird man gestört in seiner Pflicht, wenn sich uns eine angenehmre aufdringet?“
Nun war das Gespräch zu Ende. Sie sahn sich beide an, schlugen beide die Augen nieder, sahn beide umher nach Luft, Beeten, Himmel, Bäumen und Blumen, suchten Stoff für ein Gespräch und je ämsiger sie suchten, je weniger fanden sie, und in der peinlichsten Verlegenheit verflogen zwei kostbare Minuten.
„Ach ein niedliches Veilchen!“ rief plözlich Rosamunde, um doch etwas vorzunehmen, und sprang hin, bükte sich und pflükte das Blümchen, welches sie gewiß zu jeher andern Zeit nicht gepflükt haben würde.
„„Eine schöne Blume!““ sagte Flodoard und ärgerte sich über diese leeren Worte.
„Eine herrliche Farbe!“ fuhr Rosamunde fort: „Violet, roth und blau so schön unter einander gemischt, wie kein Maler die Farben mischen kann.“
„„Und ein bedeutungsvolles Blümchen! sezte er hinzu: Roth die Farbe der Freude, Blau die Farbe der Freundschaft und — — ach, wie glüklich wäre der Mann, Rosamunde, dem ihr die Blume gäbet! — Freundschaft und Seeligkeit hängen unauflöslich aneinander, Freundschaft und Seeligkeit sind inniger vermischt, als dieß Roth und Blau des bedeutungsvollen Veilchens!““
„Was ihr nicht über eine simple Blume schönes zu sagen wißt!“
„„Aber, wem wird einstens Rosamunde das geben, was diese Blume bezeichnet? — doch, eine alberne Frage — ich weis auch gar nicht, wie ich heut beschaffen bin — verzeiht mir den lächerlichen Vorwiz, Fräulein!““
Er war still. Rosamunde war still; Stille herrschte am Himmel und auf Erden, aber nicht im Herzen der Liebenden.
Aber wenn sie auch ihrer Zunge gebieten konnten, daß sie nicht Verräther der geheimen Leidenschaft wurde, wenn gleich die Lippen Rosamundens nicht gestanden: du bist es, Flodoard, dem dies Veilchen von mir gegeben werden soll; wenn gleich Flodoards Mund nicht fragte: Rosamunde, gieb mir die Blume und das was sie bedeutet! o so schwiegen doch ihre Augen nicht. Diese treulosen Dollmetscher heimlicher Gefühle bekannten hier mehr, als das Herz sich selber eingestand. —