Flodoard und Rosamunde standen in süsse Quaalen versunken vor einander da; ihre Blikke ruhten auf einander und wurden die Herolde der wachsenden Empfindung. Mit einem namenlosen schwärmerischen Lächeln starrte die unschuldige Rosamunde den auserkornen Liebling an; und schüchtern zweifelnd studierte der schöne Jüngling dieß Lächeln Rosamundens. Und er verstand es; und das Herz pochte lauter, und rascher flog sein Odem.

Rosamunde bebte; ihr Busen erhob sich ungestümmer; sie wurd es gewahr und ein liebliches Roth der Schaamhaftigkeit strömte über ihr Angesicht hinab.

Ach, eine Ewigkeit so dazustehn, sich spiegeln zu können im liebenden Auge des Geliebten, hören zu können die leisen Seufzer der Sehnsucht, berechnen zu können am Aufwallen und Sinken des Busens, die Ebbe und Flut der Empfindungen — dieß ist der erste Himmel, zu welchem die Liebe führt.

„Rosamunde!“ seufzte Flodoard unwillkührlich, und unwillkührlich lispelte sie: „Flodoard!“

„Gieb mir das Veilchen, o mir!“ stammelte er, und zitterte nicht vor seiner kühnen Foderung.

Rosamunde hielt die Blume fest.

„Fodre, fodre dafür eine Königskrone, ich will sie dir stehlen. Rosamunde, mir die Blume!“

Sie sah den Bittenden an und schwieg.

„Mein Glük, meine Ruhe, mein Leben hängt an dieser Blume. So wahr ein Gott lebt, ich thue dann Verzicht auf alles, was die Erde Schönes trägt!“

Die Blume schwankte in ihrer schönen Hand.