„Du erhörst mich, Rosamunde? Ich bettle nicht umsonst?“
Bei dem Wort betteln fiel ihr Iduella ein. Wo bleibt dein Versprechen, dein Vorsaz? sagte sie zu sich selber: flieh, flieh! du wirst dir und Iduellen und deinem Oheim treulos.
Und sie zerriß die Blume.
„Ich verstehe euch, Flodoard, sagte sie: aber gebt eure Pläne auf — und so wie jezt laßt uns nimmer in diesem Leben wieder beisammen stehn.“
Sie sprachs, drehte sich um und lies den armen Flodoard angedonnert stehn.
Fünftes Kapitel.
Abaellino.
Kaum war sie auf ihrem Zimmer, o so beweinte sie auch schon ihre Heldenthat. — Es that ihr wehe, ihn so beleidigt zu haben. Sie dachte sich den armen Jüngling, wie er nun nach ihrer Flucht dagestanden habe, niedergeschlagen, hoffnungslos mit nassen Augen. Sie sah ihn im Geiste sich härmen, und trostlos jammern; sah ihn, wie er nun freudenlos umherschlich, die Mörderin seiner Seelenruhe verdammte, dem Grabe entgegen hoffte und sich demselben mit jeder Thräne, die er ihrentwillen verweinte, näherte; sie hörte schon im Geiste die Nachricht: Flodoard ist gestorben! sah nun schon das Volk um seine Gruft versammelt weinen, um ihn, den das halbe Venedig anbetete, und die ganze Stadt und seine Feinde selbst bewunderten.
„Nein, nein!“ rief sie: „das war eine erbärmliche Heldenthat! nein, Flodoard, ich habe es nicht so gemeint, als ich sprach, ich liebe dich doch, ich will dich lieben, und wenn auch Iduella zürnt, und mein Oheim mich hasset!“
Einige Tage nachher erfuhr sie, daß Flodoard allen seinen Bekannten sehr verwandelt erscheine, daß er melancholisch umherirre und sich in den Zirkeln der Freude nur selten hineinmische.
Dies war ihrem weichen Herzen eine schrekliche Post. — Sie floh in die Einsamkeit ihres Gemachs, weinte sich satt, und büßte mit tausend Thränen der Reue ihr Verbrechen.