Niemand kannte ihrer Schwermuth Quelle niemand ihrer Krankheit Ursprung. Darf es uns noch wundern, wenn Rosamunde zulezt die ängstlichen Sorgen den alten Oheims wekte, und jeder um ihr Leben zitterte. Darf es uns noch wundern, wenn Flodoard sich mit seinem Seelengram den Augen der Welt entzog und vergebens den harten Kampf mit einer Leidenschaft begann, welche schon jede andre Empfindung in ihre Wirbel verschlungen hatte?

Doch wir verlassen Rosamundens Krankenbett auf einige Augenblikke und besuchen zur Abwechslung die Wohnung der Rebellen, die in ihren Planen immer weiter rükten, immer zahlreicher, immer mächtiger und für den alten Andreas Gritti und sein Venedig fürchterlicher wurden.

Parozzi, Memmo, Contarino, Falieri die Häupter der werdenden Verschwörung versammelten sich jezt öfter im Pallast des Kardinal Grimaldi, wo sie ihre Entwürfe zur Staatsveränderung Venedigs gemeinsam spannen. — Jeder handelte hier angetrieben von seinem Privatintresse; der eine um seiner ungeheuer angelaufnen Schulden mit einemmale quitt zu werden, der andre um seinem Ehrgeiz ein Opfer zu bringen, der dritte um Rache zu üben für gewisse längst vergährte Kränkungen, der vierte um seine Rechte ausgebreiteter zu machen u. s. f.

Diese schreklichen Menschen, welche nichts geringers als entweder Venedigs Umsturz, oder Erfüllung ihrer überspannten Foderungen verlangten, hatten um so mehr zur Ausführung ihrer Schwindeleien Muth, da der größte Theil des venetianischen Pöbels, der über die neuen Auflagen und Steuern klagte, sich an sie schlos.

Reich genug an Menschen, reich genug an Geldern, um die fürchterlichen Projekte zu realisiren, reich genug an kühnen, verwegnen, schlauen Männern, die fähig genug waren Revoluzionen anzuzetteln und durchzuführen, sahn sie schon stolz herab auf den guten Doge Andreas Gritti, der von diesem höllischen Komplot nichts beahndete.

Allein ein fürchterlicher Schall wars ihren Ohren, als man die arme Sünderglokke läutete und die gefangnen Banditen zum Richtplaz führte, auf welche sie einen großen Theil ihrer Hofnungen gesezt hatten. Desto froher aber machte sie der Stolz des verwegnen Banditen Abaellino, der öffentlich aufzuschlagen sich erkühnte, er lebe noch in Venedig, und man solle nicht verzagen.

Der Tollkopf ist ein Mann für uns, riefen alle entzükt, und jezt lag alles daran den verwegnen Menschen in ihre Verschwörung zu verzetteln.

Es gelang ihnen wirklich. Abaellino fand sich zuweilen bei ihnen ein, aber er war in seinen Foderungen eben so vermessen, als in seinen Versprechungen.

Alle verlangten zuerst den Tod des Prokurator Sylvio, ein Mann, der zu den wärmsten Freunden des Dogen gehörte, ein Mann, vor dessen Falkenblik sich ihr lichtscheues Gewissen fürchtete, und der den Kardinal Grimaldi bei dem Dogen verdrängt hatte.

Aber Abaellino verlangte für das Leben dieses einzigen ungeheure Goldsummen.