„Ihr scheint auf eure wizzige Apologie vielen Fleiß verwandt zu haben; aber sie verfehlt ihren Zwek,“ versezte Gritti.
„Ich sag es noch einmahl, gnädigster Herr!“ erwiederte Flodoard, und stand auf: „entschuldigen will ich mich nicht. Aber ich will mehr, ich bitte bei euch um Rosamunden.“
Gritti stierte den Kühnen mit einem fremden Blik an.
„Freilich, gnädigster Herr, freilich bin ich ein armer Edelmann, und es scheinet Verwegenheit zu sein, wenn ein solcher um die Nichte des Venetianischen Doge buhlt. Aber, beim Himmel, ich glaube der große Gritti wird seine Rosamunde nicht an Männer verschenken, die nur mit Goldstükken, Grafschaften, und Titeln prahlen, oder sich in den Glanz ihrer Ahnen verhüllen, wenn sie nicht selber glänzen. — Ich gesteh es freilich, noch besizze ich keine Verdienste, die mich eurer Rosamunde würdig machen könnten, aber ich will sie mir erwerben. — —“
Der Doge drehte sich unwillig um. Rosamunde flog herbei und schlang ihren Arm um Grittis gebeugten Nakken. —
„Zürnet nicht!“ rief sie und verbarg ihr bethräntes Antliz an dem Busen ihres Oheims.
„Fodert!“ rief Flodoard; „was muß ich sein, was soll ich thun, um Rosamunden zu erhalten von euch. Fodert, es soll mir das Schwerste ein Kinderspiel werden. Beim Himmel, ich wünschte Venedig läge unter der gräslichsten Gefahr, oder euer Leben würde von zehntausend Dolchen bedroht — dann dürft ich hoffen Rosamunden zu verdienen. Ich rettete Venedig und schlüge zehntausend Klingen zurük. —“
Gritti lächelte bitter. „Ich habe,“ sagte er: „ich habe der Republik viele Jahre gedient; ich habe Leben und Blut gewagt, ich erwartete wenigstens zur Belohnung ein sanftes, glükseliges Alter — aber ich habe mich betrogen. Meine alten Freunde werden mir durch Banditen geraubt und — ihr, Flodoard, ihr nehmt mir nun noch diese einzige, die bisher meine lezte Freude war. — — Höre, Rosamunde, liebst du den Flodoard wirklich?“
Flodoard zitterte. Rosamunde ergriff des Jünglings Hand und — schwieg.
Gritti wandte sich aus Rosamundens Arme, und gieng langsam mit tiefem Ernste im Zimmer auf und nieder. Rosamunde warf sich auf einen benachbarten Sessel; und weinte. Flodoard beobachtete den Dogen.