So verstrichen einige Minuten. Es herrschte im Zimmer eine feierliche Stille; Gritti schien mit einem fürchterlichen Entschlusse schwanger zu gehn. Bekümmert erwarteten die Liebenden den Ausgang der Geschichte.

Plözlich blieb der Doge in der Mitte des Zimmers stehn. „Flodoard!“ sprach er, und Flodoard nahte sich ihm ehrerbietig: „Flodoard, ich habe den Entschluß gefaßt: Liebt euch meine Rosamunde, wohl, so mag sie es thun; ich will der Wahl ihren Herzens keine Schranken bauen. Aber Rosamunde ist mir viel zu theuer, als daß ich sie dem ersten besten überlassen könnte, der sie fodert. Der Mann, dem ich Rosamunden lasse, muß Rosamundens werth sein; sie soll eine Belohnung seiner Verdienste werden. Noch habt ihr euch nur geringe Verdienste um unsern Staat erworben — es ist jezt Gelegenheit da, euch ein sehr großes zu verschaffen. Schafft mir den Mörder Sylvios, Kanaris und Dandoli’s — schafft mir den fürchterlichen Banditenkönig Abaellino tod oder lebendig! —“

Flodoard trat bei dieser Foderung, an deren Erfüllung sein Wohl und Weh hieng, erblassend zurük. „Gnädigster Herr — —“ stammelte er.

„Ich weis, fuhr Andreas Gritti fort: ich weis sehr gut, welch eine Foderung ich wage, wenn ich den Abaellino fodre. Lieber will ich selber mich durch eine türkische Flotte schlagen und das Admiralschiff aus ihrer Mitte stehlen, als diesen Abaellino fangen, der mit der Hölle einen Bund geschlossen zu haben scheint, der allenthalben und nirgends ist, den viele gesehn haben und den keiner kennt, der den Wiz unserer Staatsinquisitoren, des Collegiums der zehn Männer und ihrer Spione zu Schanden macht; vor dem jeder edle Venetianer zitiert, vor dessen Dolch ich selber auf meinem Throne nicht sicher bin. — Ich weis es, was ich fodre, aber, Flodoard, ich weis auch, was ich gebe. Ihr seid verlegen? — Ihr schweiget? — Flodoard, ich habe euch lange genug beobachtet, ich habe in euch Spuren eines wahrhaft großen Geistes entdekt — darum wag ich die Foderung, ists einer vermögend, den Abaellino zu fassen, so glaub ich seid ihrs. — Nun?“

Flodoard gieng schweigend vor sich umher; ein fürchterliches Wagestük wars, das er unternehmen sollte, wehe, wenn Abaellino sein Vorhaben erfuhr! aber Rosamunde war der Preis! Er warf einen Blik auf das Mädchen, und sein Plan war entworfen, alles zu wagen.

Er gieng zum Dogen.

Gritti. (sanft) Nun, Flodoard?

Flodoard. (mit großem Nachdruk) Erhalt’ ich warlich dann Rosamunden, wann ich euch den Abaellino überliefre? —

Gritti. Nicht eher.

Rosamunde. Flodoard! Flodoard! das Spiel endet sich schreklich — hüte dich selber vor Abaellinos Dolch!