Ein schauerliches Stillschweigen wohnte im Saale. Jeder gehorchte der Stimme des großen Banditen, der mit der Majestät des höllischen Monarchen durch den Saal schritt, wenn anders der Teufel Majestät besizzen kann.
Rosamunde schlug die Augen auf — ihr erster Blik haftete auf den verwandelten Flodoard.
„O!“ rief sie: „Allbarmherziger, es ist nicht möglich — es ist ein satanisches Blendwerk!“
Abaellino. (zu ihr tretend) Nein, kein Blendwerk, Rosamunde; dieser Bandit Abaellino ist dein Flodoard von Florenz.
Rosamunde. Geh, geh, entsezlicher Lügner, es ist nicht möglich! — du und Flodoard, Seraph und Satan! wer schmilzt die zusammen? Flodoard handelte gros und gut, wie ein Halbgott — ich habe von ihm gelernt tugendhaft zu handeln. Er war ohne Leidenschaft, zu jeder schönen That willig. Elend und Kummer ertrug er um des Guten willen, die Thränen der Leidenden abzutroknen — das waren seine Triumpfe! — Höllischer Bösewicht, den die Schaaren der Ermordeten vor Gottes Richterstuhl längst verklagt haben, prahle nicht mit Flodoards Namen.
Abaellino. (mit Stolz) Rosamunde, du bist — — — ein Weib. Sieh her, ich und dein Flodoard sind eins — sieh her! sieh her!
Abaellino riß das Pflaster vom Auge, rieb mit seinen Tuch im Gesicht umher, faltete die verzognen Mienen in ihre natürliche Ordnung zurük, strich die schwarzen Haare von der Stirn, und siehe da, der schöne Flodoard stand in Abaellinos Banditentracht vor den Augen der Versammlung.
Abaellino. Sieh, Rosamunde, siebenmahl will ich mein Gesicht noch verwandeln vor deinen Augen, und so täuschend, daß du mich in Ewigkeit nicht erkennen solltest. Aber dieß Gesicht ist Flodoards Angesicht, ich will es vor der Hand beibehalten.
Grimaldi. Entsezlich!
Die Senatoren. (durch einander murmelnd) Unerhört! Schreklich!