Abaellino. (liebreich zu Rosamunden) Nun? — versöhnst du dich mit mir?

Rosamunde. (ihn anstarrend) Flodoard, du bist kein Mensch!

Abaellino. (sich zu ihr hinabbeugend) Rosamunde — Rosamunde — bist du mein?

Rosamunde. (mit schaudernder Verlegenheit) Flodoard — ach, daß ich dich nie gesehn, nie geliebt hätte!

Abaellino. Willst du nun noch die Braut Flodoards — die Banditenbraut sein?

Rosamunde. (sieht ihn schweigend an, mit sich selber im fürchterlichen Kampf.)

Abaellino. Sieh, Mädchen, um deinetwillen hab ich mich selber verrathen — selber hingeliefert — — ach, Rosamunde, ich könnte noch mehr thun! — doch still! Rosamunde, nur eine Sylbe laß mich hören von deiner Lippe, nur ein armseliges Nein, oder Ja! Rosamunde, liebst du mich noch? — —

Rosamunde antwortete nicht. Ihr Auge sah zu ihm empor, schuldlos und liebevoll, wie das Auge eines Engels, und ihr Blik bekannte dem verführerischen Bösewicht, Liebe. Ihr Busen stürmte ungestüm — ungestüm wie das Meer der Gedanken und Empfindungen in ihrer Seele. Sie sank in Iduellens Arm zurük und Iduella weinte eine mitleidige Thräne auf ihren Liebling herab.

Der Doge sprang in diesem Augenblik wild vom Sessel auf; sein Auge blizte Wuth, seine Unterlippe zog sich höher hinauf; sein Odem flog heftiger. — Die Senatoren sahn ihn, warfen sich ihm vor und hielten ihn gewaltsam zurük. Abaellino inzwischen gieng ihm mit befremdender Kälte entgegen, und bat ihn sich zu beruhigen.

„Werdet ihr mir euer Wort halten, gnädigster Herr? — ihr gabt es mir, des sind jene edeln Venetianer und Venetianerinnen Zeuge.“