Und nun, Venetianer, ich habe mit Gefahr meines Lebens den Staat gerettet, ich habe mich als Bandit in die Versammlungen der Gottlosen gewagt, habe Sturm und Regen, Frost und Hizze ertragen, habe, wenn ihr schliefet, für Venedig gewacht, und ich darf noch auf keine Belohnung Ansprüche, machen? Das alles hab ich für Rosamunde von Korfu gethan, und ihr wollt sie mir verweigern; ich habe euch euer Leben, euch das Leben eurer Weiber und Kinder erhalten — Menschen, Menschen und ihr wollt mir das meinige rauben. —
Seht doch, wie jene Bösewichter dastehn, von Gott verdammt und ihrem innern Richter. Oeffnet sich wohl ein Mund zur Rechtfertigung? widerlegt mich einer auch nur mit einem Kopfschütteln? — Ich will euch von meiner Ehrlichkeit noch besser überzeugen. (Indem er sich zu den Verschwornen wendet.) He da, bekennet die Wahrheit — derjenige, der sie unter euch zum ersten gesteht, soll Gnade erhalten im Gericht, das versprech ich, der Bandit Abaellino.
Die Verschwornen schwiegen. Endlich nahte sich Memmo einem der Senatoren zitternd. — „Venetianer!“ lallte er: „Abaellino lüget nicht!“ —
„Er lüget! er lüget!“ riefen mit einemmahle Falieri, Grimaldi, Kontarino und Parozzi.
Still! schrie Abaellino und fürchterlicher Grimm blizte aus seinen Gebehrden: „Still! laßt mich sprechen — oder besser noch, laßt die Geister der Ermordeten sprechen. Hollah, ho!“ schrie der Fürchterliche und sprengte die Flügelthüren voneinander und siehe die längst beweinten, längst betrauerten Edeln traten herein, Sylvio, Kanari und Dandoli!
„Verrätherei!“ brüllte Kontarino und sties sich einen verborgen gehabten Dolch ins Herz.
Welch ein Auftritt!
Weinend sank Andreas Gritti in den Arm seiner todgewähnten Freunde; weinend schlang das lebende Kleeblatt großer Männer sich um den Freund und Waffenbruder und Herzog. — Erst in den Wohnungen des Himmels glaubten sich diese schönen Seelen, diese Helden, wieder finden zu können, und sie fanden sich nun auf Erden wieder zusammen. Sie die einstens als Jünglinge mit einander aufwuchsen, mit einander für das Wohl ihres Vaterlandes fochten, hingen jezt als Greise hier umeinander. Gerührt standen die Zuschauer da, und die alten ehrwürdigen Senatoren konnten sich bei dieser heiligen Szene der Thränen nicht erwehren. Man hörte und sah in dieser seeligen Trunkenheit nichts — hörte und sah nicht, daß die Verschwornen und der Selbstmörder Kontarino der Wache überliefert wurden — hörte und sah nicht Rosamunden, die sich schluchzend an die Brust des schönen Abaellino warf und überlaut schrie: Dieser — dieser ist kein Mörder!
Aber man ermannte sich endlich. Die Besonnenheit kehrte zurük. — „Heil dem Erretter der Republik!“ schrie man und weinte man laut und umringte den Abaellino.
Abaellino, vor einigen Minuten noch von allen verdammt, stand hehr und gros unter der entzükten Menge da, wie ein Gott, und an ihm hinauf schlang sich die schöne Rosamunde.