Sekretair Flimmer. (tritt herein)
Pr. Moriz. Nun?
Flimmer. O vortreflich!
Pr. Moriz. Teufel, du lügst!
Flimmer. Haben Sie die Gnade mich zu hören. Ich besuchte während Ew. Hoheit sich hier am Hofe aufhielten, nach meiner alten Gewohnheit zum Zeitvertreib die Tabagien; man findet an solchen Oertern die schönste Gelegenheit Menschengesichter zu beobachten, physiognomische und politische Betrachtungen aufzustellen. Unter andern frappirte mich ein alter, schlichter Kerl, aus welchem niemand eigentlich klug werden konnte. Man wußte mir von ihm nicht mehr zu sagen, als daß er täglich in den Weinhäusern herumläge, spielte, söffe und unserm Hergott die Tage abstöhle. Dazu wollte man sich erinnern, das er ein verschmizter Gauch wäre, welcher schon manchen dummen Streich begangen hätte. Das trolligste bei der ganzen Sache ist, daß der alte Schelm stumm ist.
Pr. Moriz. So. Wie beißt der Tagedieb?
Flimmer. Badner. Ich bemerkte, daß er Geld zu verschwenden hatte, drum währte es nicht lange, so saßen wir neben einander und tranken Brüderschaft. Ich unterhielt mich öfters ganze Abende mit ihm; seine Bleifeder diente ihm statt der Zunge.
Pr. Moriz. Nun?
Flimmer. Dieser sonderbare Taugenichts ging vor einiger Zeit zum Grafen Duur in Dienste; seine Börse ist bankerot, vermuthlich gedenkt er sie durch die Freigebigkeit seines jezzigen Herrn wieder zu spikken. Allein seit einigen Tagen schien er mit seinem Schiksale nicht recht zufrieden zu sein; flugs machte ich mich an ihn, lokte ihn aus, und ich hatte den küzlichen Flek richtig getroffen. Ich ließ einige Worte von Ihnen fallen, von Ihrer Güte, Ihrer Mildthätigkeit. Der Kerl spizte die Ohren. Folgenden Tages ließ ich ihn merken, dass Ew. Hoheit ihn wohl in Dienst zu nehmen gedächten. Mein Badner war wie ausser sich vor Freude. Am dritten Tage sprach ich von einem Werke, wodurch er sich Ew. Hoheit sogar verbindlich machen könne. Er fragte um nähere Umstände; ich konnte ihm weiter nichts erwiedern, als daß Ew. Hoheit dem Grafen von Duur nicht wohl wollten, und daß, und so weiter. Und heut bring’ ich Ihnen den Erzgauner, willig zu jedem Bubenstük, her. Ein Wort von Ihnen selber kann ihn zum Vatermorde stark machen. Er steht und wartet in der Antichambre.
Prinz Moriz. (läßt sich eine Chatulle reichen.) Führ’ ihn her.