Florentin sah bestürzt den Unbekannten an; sah sein glänzendes Auge hochstarren bei dem fürchterlichen, seltsamen Schwur; sahe seine Lippen beben, seine ernsten Gesichtszüge sich in himmlische Entzükkung verwandeln — und konnte sich nicht erklären, wer dieser Holder sei, ob eine Gottheit in menschlicher Gestalt, oder ein alltäglicher Enthusiast.

Eine unbekannte Simpathie zog beide aneinander; Holder lag um Florentin und Florentin um Holder — die sanfte Morgenstille, das auf beider Antlizzen schwimmende Osten-Roth verfeierlichte die Szene.

Der erste der sich aus dem Taumel der Empfindungen ris, war der Fremde; denn fremder wurde dieser Mann dem Florentin in jeder Minute; je länger er ihn betrachtete, je räthselhafter derselbe erschien. Florentin warf sich auf ein Sofa hin; Holder pakte zusammen und warf sich in seinen Reisehabit.

„Graf, ich habe Dir viel versprochen,“ rief er nochmals dem träumenden Jüngling zu: „aber bei der Wahrheit dessen der da ist und war und sein wird, ich halte mein feierliches Wort, über Jahrhunderte siehst Du mich in Deutschland wieder!“

In eben dem Augenblikke wurden sie beide zum Kaffeetische gerufen.

Sie fanden den Onkel schon bei seiner Tasse, indem er das Morgenpfeifchen mit Behaglichkeit rauchte. Friedrike fast neben ihm, in einem häuslichen Negligée, welches das schlanke Mädchen noch dreimal schlanker machte. — Der Onkel, der den Fremden in Müzze, Pantoffeln und Schlafrok erwartete, verwunderte sich mächtig, als er ihn im weißen Ueberrok, dem runden Hute, gestiefelt und gespornt sah.

„Was Teufel, da fehlte ja wohl nur noch der rothe Mantel, und Sie wären reisefertig! Oho! so haben wir nicht gewettet, Herr Holder!“

„Ich will Ihnen nicht länger beschwerlich fallen!“

„Was beschwerlich fallen? Ein Mann, von dem man sogar in Zeitungen schreibt, der kömmt nicht sobald wieder von mir, wenn er einmal in meiner gräflichen Gewalt ist. — Na trinken Sie!“

Holder trank. Der alte Graf eiferte fort.