Florentin fand kein Behagen lange in dieser schauerlichen Wohnstatt der Verwesung zu zaudern, und begab sich nach einem daranstossenden andern Zimmer, dessen Eingang: „Blutkammer,“ überschrieben stand.

Er öfnete die Thür und prallte benützt vor dem gräßlichsten Anblik, welchen je die tiefsten Märtergewölbe der Spanischen Inquisition darbieten können, zurük. In allen Winkeln wimmerten Halbnakte; Foltern mancherlei Art waren hier in Bewegung gesezt; dort wurde Pech gekocht, hier Eisen geglüht; warmes Blut dampfte vergossen vom Boden auf. Todte und Halbtodte lagen in schauderlichen Gruppen durch einander hingeworfen, und Unmenschen wühlten mit blutigen Fäusten unter ihnen.

„Was ist das? wo bin ich?“ rief erbleicht der Graf aus.

Vinzenz!“ antworteten die Foltrer: „Ihr seid in der Blutkammer der schwarzen Brüder?“

„Wer sind die schwarzen Brüder?“

„Die Ihr unter dem Namen der Unbekannten kennt!“

„Wes ist das Blut, das unter mir fließt?“

„Tyrannenblut, Vinzenz, Tyrannenblut und Blut der heimlichen Verbrecher!“

„Ha, Heil dem Gerichte der schwarzen Brüder!“

Einer der Foltrer führte Florentinen stillschweigends in ein Nebenkämmerchen; hier lag ein schwarzer Habit, welchen der Graf anzuziehn bedeutet ward, darauf öfneten sich zwei Flügel einer Thür; Florentin schritt hinein und stand wie durch ein Wunderwerk verzaubert plözlich in dem schönsten, geräumigsten Saal, von tausend Lampen und Wachskerzen erleuchtet, von lieblichen, romantischen Düften durchbalsamirt.