An den kostbaren Wänden standen symmetrisch einige Tische, mit Erfrischungen besezt, welche Florentinen am meisten lokten, weil ein unbeschreiblicher Hunger, ein siedender Durst seine ängstlichen Lagen noch ängstlicher gemacht hatte. Der, welcher ihn schwarz bekleidet hatte, gab ihm auch die Erlaubnis zu Essen, wozu sich denn Florentin nicht zweimal nöthigen lies.

Die erste süsse Empfindung nach langen, fürchterlichen Augenblikken — die Stillung seines Durstes und Hungers, und zwar hier, in einem so angenehmen, königlich-schönen Aufenthalte, sicher vor dem Zorn und der Rachsucht des Fürsten! — — Eine kindische Freude bemannte sich in dieser Minute des durch tausend Labyrinthe, tausend Schreknisse hieher geführten; Thränen fielen in den Wein; ein gottdankendes Lächeln schwebte in seinem Antlizze.

„Habet Dank, Ihr schwarzen Brüder! Ihr seid auch meine Brüder!“ sagte er und erhob sich vom Tische, gesättigt, erquikt und überströmt von den süßesten Empfindungen. Mit einemmale traten von einer andern Seite sieben und siebzig Männer, alle in saubrer, einförmiger, schwarzer Kleidung, in den Saal. Der Angesehenste unter ihnen bestieg einen fünf Stufen erhabnen Thron, überschirmt von einem goldgestikten Baldachin, ausgeschmükt mit einer Pracht, welche nie gesehen worden ist und werden wird, eine Pracht, welche derjenigen nahe kömmt, die wir in Wielands Feenwelten erblikken.

Florentin staunte über diese neue Erscheinung nicht wenig, am meisten aber, als er von ohngefähr das Gesicht dessen erblikte, welcher auf dem prachtreichen Throne sas, und er in ihm — seinen Holder leibhaftig erkannte. Allein er wagte es doch nicht sich ihm zu nähern.

Einer der Schwarzen, welcher unserm Grafen am nächsten stand, und ihn lange vom Wirbel bis zu den Zehen mit seinen Augen gemessen hatt, trat dem Thron näher und erhob seine Stimme zu dem Obersten in folgenden Worten:

Julius, so lange die Menschen noch Menschen sind, werden die Fürsten immer Despoten bleiben, und ihre Unterthanen, zitternd vor dem Gesez, Sünden im Finstern treiben; nie wird die goldne Zeit tagen, in welcher unser Gericht der Welt kein nüzze mehr ist. — Doch sind auch unter den Fürsten Edle, und unter den Unterthanen Männer, welche die Tükke hassen, so in Finsternis gehüllt schleicht. Siehe, Regent, dort steht Vinzenz der sich mit uns verbrüdern will, ein Unglüklicher, der sich in unsre Arme wirft.“

Der Regent befahl dem Vinzenz näher zu treten; Florentin gehorchte, und starrte sprachlos das Gesicht an, welches nicht dem Regent Julius sondern seinem Holder angehörte.

„Seid Ihr ein Unglüklicher?“ sagte der Regent zum Grafen: „wollt Ihr Euch mit an die Kette der schwarzen Brüder schliessen?“

„Wohl bin ich ein Unglüklicher, und wenn Ihr diejenigen Unbekannten seid, welche sich in meine Pläne mengten, meine Geheimnisse mit selber aufdekten, und mir jene Warnungen zuriefen: so flehe ich Euch an, daß Ihr mich aufnehmen wollet!“

Die schwarzen Brüder schlossen jezt einen engem Kreis um den Grafen oder Vinzenzen, und derjenige, welcher von allen übrigen nächst dem Regenten am meisten geachtet wurde, den sie Anselmo nannten, eben der welcher Florentinen aus dem Kerker erlöset, und auf den Wendelstiegen allein gelassen, nachmals ihn dem Regenten vorgestellt hatte, dieser, sage ich, trat aus den Siebzigen hervor gegen Florentinen gewandt, und redete ihn also an: