Holder. Wenn es wahr wäre! wenn es wahr wäre, so wünscht’ ich, wohl ewig hier zu sein!
„Ich glaub es Ihnen leicht!“ erwiederte das unschuldige Mädchen, und über ihr ganzes Gesicht schwamm die liebenswürdigste Röthe.
Mit einemmale hörte man einen fürchterlichen Tumult im Schloshofe; man rannte durch einander her; die Thore wurden zugemacht; ein ewiges, verworrnes Fragen und Rufen, und Klirren der Klingen wie Degenklingen, füllte die Luft.
In eben der Minute trat der Graf mit seinem Neffen sehr ernsthaft herein; er wandte sich zu Holdern und sprach „jezt will ich Ihnen beweisen, daß ich ein Graf bin! kommen Sie her ans Fenster und sagen Sie ob es Ihnen noch gelüstet zu echapiren!“
Sie traten alle ans Fenster — Knechte, Mägde, Hirten und Bauern standen bewafnet da, mit verrosteten Hirschfängern, alten Flinten, Sensen, Stangen, Prügeln und Aexten, und sahn ängstlich bald aufs Schlos, bald auf die verriegelten Pforten, als befürchteten sie eine förmliche Belagerung. Der Verwalter lies sich als Kommendant unter ihnen sehn; er hatte in der Eil den Degen an die rechte Seite geschnallt, und lief in seiner Angst auf und nieder. Ein alter Bauer fragte ihn, was es zu bedeuten hätte, daß sie hier stehn müßten? „Je, mein Gott, rief der Kriegesmann, und klapperte mit den Zähnen vor Bangigkeit: bedenkt nur, ein rother Mantel will zum Thorwege hinaus!“ — Ein rother Mantel? stammelte der ehrliche Bauer: den regiert ja wohl, Gott sei bei uns, der Kobolt! — „Das ist eben der Teufel, ich begreifs selbst nicht!“
Mit Wohlgefallen lächelte der alte Graf auf sein Kriegesvolk hinab, und ließ dann Holdern ein forschendes Nun hören.
„Herr Holder bleibt — gern bei uns, Onkelchen!“ sprach Friedrike und schmiegte sich freundlich an den Alten.
„So bald mich nicht fremde Verhältnisse zu einem andern Vorsaz hinzwingen,“ sezte Holder hinzu: „bleib ich, so lange Sie mir erlauben!“
„Nun das war doch ein Wort;“ entgegnete der Alte, mit einem herzlichen Händeschütteln: „so muß man’s machen wenn man was erpressen will! — Allons, ihr tapfern Kriegesleute da unten, macht die Thore auf, und geht in eure Ställe mit Frieden; der Rothmantel kömmt nicht!“