Der Graf. Nicht Schwachheit, nicht Uebertäubung! nein, Sie sind mir zu lieb geworden, als daß ich Sie von mir lassen könnte. Ihr Karakter ist mir unverholen, darum befürcht’ ich von Ihrer Liebe zu Friedriken nichts. Und Sie wissen ja selber, wie nothwendig Sie mir geworden sind; wollen Sie also nicht, daß sich das arme Mädchen krank harmet, wollen sie nicht, daß ich alter Mann mir ewige Vorwürfe machen, mir selber mein Restchen Leben verbittern soll, so bleiben Sie.

Rikchen. Null, lieber Holder? nun?

Der Graf. Da, nehmen Sie das Mädchen hin, nehmen Sie sie hin, ich will denn nun einmal der Onkel in der Komödie sein, aber bleiben Sie.

Holder. (umarmt und küßt den Grafen) Wohl, es sei; ich widerstehe nicht.

So lößte, sich der Auftritt in allgemeine Freude auf; Holder bestellte den Reitknecht ab; Rikchen sprang umher und küßte dem frohen Alten Hand und Mund; man sezte sich wieder zum Frühstük und fühlte nun ganz, wie sehr man an einander gekettet sei.

Was wären unsre Freuden, wo kein Harm ihren Werth erhöhte? Ein Edelgestein ohne Folie, ermüdendes Einerlei!

Siebentes Kapitel.
Ein Adelsbrief — ein Rittergut — Verlobung
und — —

In der Nachbarschaft des Grafen von Duur lag ein ansehnliches Rittergut, zu welchem das Dorf Sorbenburg und eine vortreffliche Jagd gehörten. Der Besizzer des Gutes war schon seit etlichen Jahren gestorben; die Erben hatten seit eben so langer Zeit diesen Landsiz verpachtet und zulezt zum Verkauf ausgeboten.

Unser Onkel machte Spekulation darauf, aber er fand es immer zu theuer.

„Herr Graf,“ sagte Holder an einem Tage zu ihm; „wenn Sorbenburg mein wär, und ich hielt um Rikchens Hand an, würde sie mir abgeschlagen werden?“