Sie zupfte den Rok etwas tiefer hinab und sagte lächelnd: „Sie haben Ursach um Vergebung zu bitten!“

Liebe macht kühn, und das Halbdunkel der Nacht verwegen. Er drükte einen brennenden Kus der Dankbarkeit auf ihre Hand, welche sie, absichtlich ober nicht, wegzog, so daß seine Lippen auf dem Orte ruhten, welchen Band und Strumpf unbedekt gelassen hatten.

„Erlauben Sie mir doch nur das Band umzubinden!“ sagte sie in einem Ton, der gar nicht böse klang; allein der verzauberte Florentin gehorchte diesmal nicht, denn alle seine Sinne waren auf den Gegenstand seiner Küsse hingezogen.

„Sie werden mich aufbringen, Graf!“ sagte sie nach einer langen Pause, in welcher sie wohlgefällig auf den schönen Liebetrunkenen hinabgesehen hatte; „Sie werden mich aufbringen und ich mich über Sie beschweren.“ — — Diese Worte flossen schon viel schneller und klangen schon zorniger, obgleich noch immer die Stimme viel Bittendes hatte.

Schnell und besonnen sprang der Graf auf, stammelte einige Entschuldigungen und entfernte sich schüchtern indem er wieder in den Seitenweg zurükging.

Louise sah ihn nicht so bald verschwinden, als sie auf sich selbst böse ward, weil sie besorgte zu hart gesprochen zu haben. Sich selbst vergessend, das verhaste Knieband noch in der Hand, eilte sie zum Eingang des Nebenweges und rief ihn halblaut nach: „Kommen Sie doch her, Graf!“

Nie gehorchte Florentin lieber, als izt.

„Ich hoffe Sie werden die Achtung, die sie auch dem geringsten Frauenzimmer schuldig sind, nicht vergessen und weder Wort noch Wink von der vergangnen Szene fallen lassen. Daß Sie Ihre Bescheidenheit vergassen, vergeb ich Ihnen.“

Er konnte nichts hierauf erwiedern, als eine stumme, ehrfurchtsvolle Verbeugung.

„Geben Sie mir doch Ihren Arm!“