Badner. (schüttelnd) ho!

Florentin. Mensch, warum hieltest Du ihn nicht fest?

Badner. (zukt die Schultern) Ho! ho!

Florentin. (ärgerlich) las mich allein.

Er wars. Nun las er das Brieflein der Unbekannten noch einmal, und fand eben den schreklichen Sinn darin liegen, als zum erstenmal. Er suchte sich zu fassen; ging mit starken Schritten das Zimmer auf und ab; nahm die Flöte, welche ihm sonst so manchen Augenblik verschönerte, so manche Grille hinwegtönte — aber alles umsonst. Er warf die Flöte hin, bedekte mit beiden Händen sein Gesicht und murmelte einzelne abgebrochne Silben: „Gott! o Gott! — verdammt! — was soll nun werden?“

Florentin gehörte zu denen, welche der erste Moment der heranziehenden Gefahr entgeistert, die aber, wenn der erste Schrek vorübergangen ist, muthiger dastehn, und deren Kühnheit sodann oft an Verwegenheit gränzt.

Wir wollen ihn seinen Ueberlegungen allein lassen; Kleinigkeiten sind unfähig die Sicherheit großer Seelen zu zerstören, Florentin zittert wahrscheinlich also nicht vergebens.

Viertes Kapitel.
Wer so stirbt, der stirbt wohl!

Inzwischen alles dieses vorging, inzwischen Florentin und Louise bald alle Seeligleiten, bald alle Leiden der Liebe empfanden, inzwischen tausende sich im Vaterlande des braven Landesvaters freuten, welkte unbemerkt, mit jedem Tage mehr eine schöne, vortreffliche Blume.

Fehlgeschlagne Hofnungen, zweimal unglükliche Liebe, Hang zur düstern Schwärmerei, ewiger Harm, bestürmten lange die Gesundheit des liebenswürdigen Fräuleins v. Gülden, die endlich erlag. Ein Heer von Uebeln, eine Kette von Krankheiten schien sich wider das Leben dieses guten Mädchens verschworen zu haben; sie sah ihr nahes Grab, allein ohne Quaal.