Schön wie eine Halbgöttin, reizend wie eine Griechin gekleidet, trat sie jezt aus dem Gebüsch ihm entgegen. Sie schien ihm nicht so nahe beahndet zu haben, denn sein Anblik jagte all ihr Blut hinauf um Wangen und Busen. Florentin selber bebte zurük; so gewaffnet mit allem Zauber des Schönen, glaubte er sie noch nie gesehn zu haben, wozu nicht wenig ein gewisses schwermüthiges Etwas, welches in ihren Lineamenten und Tönen und Bewegungen lag, beitrug. Zwar war die Gräfin nichts weniger, als zur Mislaune gestimmt; allein sie kannte Florentinen zu genau und den Geschmak gewisser Männer, welche lieber ihre Damen schwärmen und empfindeln, als natürlich froh sehn. Sie wußte zu gut, wie viel ein solches Madonnengesicht bewirke; wie leicht die Saite des Mitleids in männlichen Seelen anzuschlagen und wie klein der Sprung vom Mitleid zur Liebe sei.

Drum hatte sie, welche die geheime Retirade des Grafen in diesen Park ausgeforscht, und sich, Gott weis es, unter welchem Vorwande, auf den Fittigen der sehnsuchtsvollen Liebe hieher führen lassen, den Rath des Dichters benuzt, der da sagte:

Gern seh ich das Mädchen in Wollust und Scherz,

Doch lieber die Liebe im weinenden Schmerz,

Ein Thränchen im schwimmenden Blaue;

Denn lächelt die Sonne nicht hinter dem Flor

Verschleiernder Nebel noch schöner hervor,

Nicht schöner die Rose im Thaue?

„So ward Ihr, schöne Gräfin, die angenehme Sängerin selber?“

Rosaffa. (sich an seinem Arm stüzzend) Schmeichler, war Euch Gesang oder Sängerin angenehmer?