„Fiorentino, bei Gott, ich hab es nicht ganz, und am mindesten um Euch verdient!“
„„Ich verstehe Euch nicht.““
„So verstand ich Euch besser, als Ihr es wolltet.“
„„Verzeiht mirs, schöne Gräfin, wenn ich Euch unwissend kränkte!““
„Unwissend? o, Fiorentino, heuchelt dies einer andern! — Unwissend? — also nur Euch wär’ es unbekannt, an welches Ungeheuer mich das Schiksal verkaufte? Euch nur unbekannt, wie Rosaffa leidet in eines elenden Wollüstlings Riesenarmen? — Eines Herzogs Geliebte! ach Fiorentino, hättet Ihr nie diese Worte ausgesprochen!“
„„Eben dieser stolze Name, um welchen Euch alle Kanelleserinnen beneiden —““
„Eben dies ists, was mein Leiden vermehrt. Die einzige Thräne eines mitleidigen Freundes ist in der Noth köstlicher, als die Bewunderung von der halben Welt.“
„„Ihr seid unglüklich?““
„Daß Ihr dies fragen könnet!“ — (Rosaffa schwieg lange still; Thränen stiegen in ihren Augen auf; sie suchte dieselben zu verbergen.) „Denkt Euch, Fiorentino, denkt Euch ein junges, unerfahrnes Mädchen, welches noch nichts von den Gefühlen der Liebe kannte, welches nur zu tändeln, sich zu schmükken und zu gefallen verstand; ein Mädchen, welches von seinen eignen Eltern, von Verwandten und Fremden ihrer Schönheit willen geschmeichelt, von Dichtern unzählig oft besungen, von Malern und Bildhauern zu Modelen ihrer Göttinnen erhoben wurde. Denkt Euch solch ein Mädchen und sagt mir, wessen war die Schuld, wenn dasselbe so bald verdorben wurde? — Dieses Mädchen, angebetet von allen Jünglingen, wurde der Gegenstand von der Liebe eines Fürsten. Er warb um ihr Herz, um ihren Besitz. O, Fiorentino, und hätte auch der Werber selber nicht Reize genug besessen ein schwaches Weib zu fesseln, wie viel verführerische, allgewaltige Mittel sind zu einem solchen Zwek nicht in den Händen der Fürsten? wie könnte da ein eitelgebildetes Mädchen länger widerstreben, wo die Eltern es selbst zu dem reizenden Schritte zwingen? Fiorentino, hasset mich nicht, denn ich rede von mir selber.“
Duur wußte nicht wie ihm wurde. Stiller Mitschmerz beklemmte seine Brust; er rükte Rosaffen näher, und sah ihr mit weichern Blikken ins Auge.