„Ha, verdammt, mit deinem Herzoge!“ rief sie und sprang auf: „Sich mich an, Mensch, verblüht bin ich noch nicht, und noch nicht deines Ekels werth!“

Florentin bestürzt und verwirrt stand auf, und suchte dies gefährliche Mädchen zu besänftigen; aber die Kanelleserin hörte ihn nicht. Sie ging seufzend auf und ab. „Nein,“ sagte sie: „du liebst mich nicht, denn die Sprache des Liebenden tönt anders, als die deine. Und doch, Fiorentino, o Fiorentino, wär’ es nicht möglich, daß du mich einst — — Aber nein; nur ausforschen wollt’ ich dich — Mehr wollt’ ich nicht. Ein Wort von dir konnte mir schon zu viel sagen!“

Der Graf wollte reden, aber sie hörte ihn nicht. Die weibliche Schaam bestürmte sie mit hundert Vorwürfen; ihr Stolz empörte jeden Tropfen Bluts in den Adern; sie wollte sich fassen und vermogt’ es nicht. So dauerte es lange.

„Ich bin unglüklich!“ sagte sie nach einer Pause, in welcher der Graf in keiner geringen Verlegenheit dagestanden: „ich bin sehr unglüklich, dem Himmel seis geklagt! — Geht, und laßt niemanden eine Spur von dem, was unter uns vorfiel, wittern, oder, bei Gott, Ihr lernt eine Kanelleserin kennen! — Geht, und, um alles in der Welt, bemitleidet mich nur nicht. Euer Mitleiden ist mir entsezlich; hütet Euch! Hütet Euch, sagte ich, oder ich mache Euch in eingen Tagen zum Gegenstand des allgemeinen Mitleids und Bedauerns. Mir sind gewisse Geschichten bekannt, welche Euch um den Kopf bringen dürften, wenn sie bekannter würden; gewisse Pläne von Aufruhren, Enthronungen und so mehr! — Ich wette, Euer ganzer Anhang dürfte sich in kurzer Zeit auf dem Schaffot wälzen! — Kennt Ihr mich nun?“

„„O, so wahr ich lebe,““ rief Duur plözlich wider das Weib angeflammt mit einer wilden, schreklichen Miene: „„Kanelleserin, ich kenne Euch! — Aber bei dem gegenwärtigen Gott seis Euch furchtbar geschworen, der erste mordsüchtige Gedanke, welcher in Eurer schwarzen Seele aufschießt, soll Euch mit selbiger Münze bezahlt werden. Gelüstets Euch den Grafen Duur kennen zu lernen, so erprobt ihn!““

Er sprachs, wandte sich um und lies sie betäubt allein dastehn.

So hatte Rosaffa noch nie den Grafen gesehn, noch nie hatte so ein Mann in Kanella wider sie gestanden. — Sie bebte; ihr Gewissen schauderte; sie sah den Fürchterlichen zwischen den Bäumen verschwinden; Fieberfrost in den Gliedern und Rache im kochenden Busen verlies sie den Park.

Sechstes Kapitel.
Die schwarzen Brüder.

Aber ein schreklicher Tumult erhob sich eines Morgens im herzoglichen Pallast; alles lief blas und verwirrt durcheinander hin; Piedro rasete von Zimmern zu Zimmern; der Kardinal und Moriz wurden eiligst herbeigeschaft; die Hofdamen weinten, und ermannten sich von Ohnmachten, um in neue zu fallen — alles lies die größte Bestürzung blikken. —

Rosaffa war ermordet.