„„Zum Südthore hinaus, eine Viertelmeile von der Stadt entlegen, am Dosanischen Gehölz. Sie können ihn unmöglich verfehlen. Eine hohe Kastanienallee führt Sie da links vom Wege ab; die Gartenpforte steht offen und über derselben werden Sie drei Aloeblumen entdekken.““
„Das Geheimnisvolle deines“ —
„„Ihre Dienerin!““ sagte lächelnd das Mädchen und hui schlüpfte sie hinaus zur Thür.
Duur stand lange verwirrt ob der seltsamen Erscheinung da, doch was sollt er machen? mit Ungedult erwartete er den Nachmittag und bis dahin suchte er sich die Langeweile, welche er bis jezt nur dem Namen nach gekannt zu haben schien, so gut als möglich zu vertreiben, durch Musik und Träumereien.
Aber eben diese versezten ihn bald in eine mehr wehmüthige als ernste Stimmung des Gemüths; der Nachmittag erschien, und mit halbem Widerwillen lies er das Pferd satteln, schwang er sich auf und trabte er langsam der angewiesnen Straße zum Garten am Dosanischen Gehölz nach. —
„Wann werd’ ich Euch wieder erblikken, Gespielen meiner Jugend, ihr Geliebten meines Herzens?“ schwärmte er vor sich hin: „Wann werd’ ich euch wieder erblikken, ihr heiligen Gegenden meines Vaterlandes, worin ich zuerst des Lebens Werth empfand? Ach, daß ich es dürfte, wie gern flög ich Euch jezt entgegen! — — Onkel, mein alter guter Onkel, ich will ja gern in deiner Umarmung alles, alles vergessen, was der Nachruhm herrliches hat; Will gern bei deinen süssen Plaudereien, o Rikchen, das Jauchzen des dankenden Volks vergessen; will bei dir, mein Holder, in seliger Ruhe aller Pracht und Größe entsagen — ach, ich opferte gern die Unsterblichkeit meines Namens einigen frohen Augenblikken in eurer Mitte auf! — O Schiksal, Schiksal gieb mir Ruhe! — und du, Bündnis der Schwarzen, wieviel bist du mir zu geben schuldig!“
Inzwischen er so mit sich selber sprach, stand sein Pferd am Ende der Kastanienallee vor der Gartenthür mit den Aloeblumen.
Er stieg ab, band das Ros an und trat in den einsamen Garten. War es Ahndung, oder die von den vorigen Bildern aufgeregte Einbildungskraft, welche in ihn wirkten, weis ich nicht. Ein heimlicher Schauer drang durch seine Glieder; beklemmt und froh schlug sein Herz einem unbekannten Etwas entgegen; seine Blikke durchflogen die liebliche Wildnis, wo halbe Kunst und halbe Natur herrschten.
Niemand, ausser ihm, war im Garten. Er erstaunte. „Was soll ich hier?“ fragte er sich laut, und leise schien ihm eine innre Stimme zu antworten: „Freund, nicht vergebens bist du hier!“ — Er schwankte vorwärts, halb mißvergnügt, halb neugierig.