In der Ferne, hinter Gebüschen, schien etwas Weises vorüber zu schweben. Mit einer unerklärlichen Unruhe eilte er dahin, je näher er dem Orte kam, je mehr seine Schritte an Schnelligkeit verloren.

Er stand vor einer verschlossenen Laube. Plözlich flog ein Gewebe von Ranken zurük, und — o Gott! — — Louise lag in seinen Armen.

„Louise! — Louise! — angebetete, geliebte Louise! —“ rief er bebend; Seine Knie brachen; er sank auf den Rasen nieder, und sie hieng in seiner Umarmung fest.

„O Louise!“ rief er, nach einer nur der Empfindung, nicht der Dichtkunst heiligen Pause, und preßte seine Lippen auf ihren Mund: „Louise, träum’ ich dich!“

Aber Louisens Lippen öffneten sich nicht zur Antwort. Da lag sie mattathmend, aufgelöst in schmerzlicher Wollust, alles- und nichts-empfindend in seinen Armen. Ihre schönen Augen starrten ihn unabwendlich an, als wollten sie seine Züge für eine ewige Trennung auffassen. Ihr Mund war verschlossen, ihre kippen vergalten keinen Kuß; ihr Ohr schien den Ausrufungen seines Entzükkens taub; ihr ganzer, mit tausend Reizzen geschmükter Leib schien Kraft und Leben verloren, ihr Geist berauscht sich höhern Regionen entgegengeschwungen zu haben.

„Meine Louise!“ rief der Liebende und seine Augen zerschmolzen in Thränen. Er hob seufzend die schöne Leblose zu sich empor, und verbarg sein Antlitz an ihrem Busen.

Lange verweilten beide in dieser Attitüde; keiner sprach; Seufzer traten an die Stelle der Wörter.

So lohnt die Liebe. So lohnt sie nach überstandnen Leiden; sie schöpft ihre Wonne aus himmlischen Quellen, und beut tröstend dem müden Sterblichen ihren heiligen Kelch. Dann verliert die irdische Herrlichkeit ihren Werth; dann verschwindet jeder Reiz dieser Erdenwelt, und die Seelen der Liebenden schweben, entrückt des Staubes Hülle, über den Sternen hinaus.

Wiederfinden, Wiedersehn nach langer quaalvoller Trennung, wie lieblich bist du! Bei dir zerschmilzt die heisse Sehnsucht in Ruhe; da zerlöst sich der Harm in süsser Wehmuth; da vergißt die Sterblichkeit ihr Loos, und zerfließt die Sinnlichkeit in Nichts. Da vermählen sich Seelen mit Seelen unterm Seegensruf der Ewigkeit; da fühlen Geister ihren göttlichen Ursprung, und die schweigende Natur feiert die hohe Empfindung. — Wiedersehn, Wiederfinden nach langer quaalvoller Trennung, wie lieblich bist du! —

„Ach, Florentin!“ stammelte nach einer halben Stunde Louise, und ein tiefer Seufzer erhob ihren Busen.