„„Wie könnt’ ich den kleinen Urheber all meiner Freuden und Leiden vergessen? — Ach preise jene Stunden selig, da eine morsche Bank dein Thron war und ich zu deinen Füssen lag und dir Liebe gestand. Ich preise jene Stunden meines Lebens selig, denn ohne sie würd’ ich dich hier nicht besizzen.““
So sprachen, so koseten die Liebenden lange miteinander. Alle frohe und traurige Szenen der Vergangenheit wurden geschildert und wieder geschildert; jede Kleinigkeit ward zur Merkwürdigkeit, ein hie und da verloschnes Bild mit neuen Farben aufgefrischt.
Bald wandelten sie Arm in Arm, Hand in Hand verschränkt in einsamen Gängen umher; bald ruhten sie wieder im Schatten hoher Bäume; bald genossen sie in einer angenehmen Grotte Erquikkungen von den auserlesensten Speisen und Getränken; bald schwiegen sie Viertelstunden hindurch, Hand in Hand, Blik in Blik, Seufzer in Seufzer, Seel’ in Seele, verloren. Und so entschwand der Tag, so entfloh der schönste Abend wie die Fantasie eines Augenbliks. Kein fremdes Auge belauschte die Glüklichen; nur die Zofe Louisens, die bewußte Briefträgerin, sorgte für die Bequemlichkeiten der geheimen Liebenden.
Die Nacht zog am Himmel herauf; es war eine begeisternd schöne Nacht, war gewis von allen angenehm durchwachten Nächten des Grafen eine der lezten für ihn auf Erden. Hingegossen lag er unter einem Pfirsichbaum; die schwanweißen Arme um ihn geschlagen ruhte die Fürstentochter neben ihm. Ueber und um beiden webte ein Hollunderbusch die niedlichste Laube. Hell funkelten die Sterne aus der wolkenlosen Luft herunter; verklärt im Mondlicht schwamm der Garten; sanft rauschte der Abendwind durch die Wipfel der Bäume.
„Was fehlt unserer Glükseligkeit noch?“ fragte Duur und küßte Louisens Stirn.
Louise. Die Dauer der Ewigkeit.
Duur. (erschüttert) Du hast Recht. O, warum sind die Freuden des Lebens an den Maasstab der Zeit gebunden? — Ach, Louise, Louise, wie bald werden wir uns trennen müssen! (Eine Pause. Er versucht es sich von dem traurigen Gedanken loszuwinden. Indem er sich über Louisens Angesicht hinbeugt:) Du bist mein Weib?
Louise. (schaamvoll zitternd) Ich bin noch — dein Weib.
Duur. (ihren Worten nachsinnend) Ja, du bists, und wirst nie einem andern werden.
Louise. (schmeichelnd) Mein Florentin.