Duur. Nie einem andern, Louise?

Louise. Florentin, warum fragst du so? — O, du hast mich zum Weibe — zur Mutter gemacht.

Duur. Gott, es ist wahr, und ich konnte unsers Karlchens vergessen? — wo ist er — Mutter, Mutter, wo ist er?

Louise. In Deutschland bei Holder von Sorbenburg. — Ach, Florentin, wie gern hätt’ ich Ihn dir mitgenommen, aber — ich konnte nicht, durfte nicht! (schwärmerisch) Es ist ein göttlicher Bube, so schön, so klug, so schmeichelnd — Florentin, es ist dein Ebenbild Du solltest ihn sehn — bei Gott unter Tausenden würdest du ihn erkennen. Ich habe ihn oft auf meinem Schoose getragen; habe oft mit dem verführerischen Knaben getändelt; habe ihn den Mutternamen gelehrt und von seinem lieben Vater ihm erzählt. Wie neugierig er dann nach dir fragte, wann du heimkommen würdest — ach, Florentin, die Freuden der Mutter kann kein Männerherz nachempfinden! —

Duur. Vortrefliche!

Louise. Du wirst ihn bald sehn können: so bald du es willst.

Duur. (entzükt) Meinen Karl sehn?

Louise. Mein Bruder Adolf hat dir verziehen. Schreib an den Herzog, nur eine Zeile schreib’ ihm, und du darfst wieder in dein Vaterland zurükkehren.

Duur. Friedensbotin, wie dank ich dir?

Louise. Ja, Adolf liebt dich unaussprechlich! er ist nie düsterer, als dann, wann er an deinen Verlust erinnert wird. „Du, du hast ihn mir geraubt, Schwester“ sagte er mir oft, und so oft er mir dies sagte, bemerkte ich Thränen in seinen Augen. Kehre zurük.