Florentin. Lade meine Freunde sammt und sonders auf übermorgen zu einem Gastmahle und Ball ein.
Dulli. Ha, wie werden die Kanelleser bestürzt sein, wenn sie vom Valetschmaus hören!
Florentin. Geh!
Dulli gieng. Florentin hob zitternd den fatalen Brief auf und überlas ihn noch einmal.
„Geliebter!“
„Diese Zeilen sind — zittre nicht — sind die lezten, welche Louise dir schreibt. Ich liege zwar nicht auf dem Sterbebett; aber doch für dich bin ich hinfort so gut, als verstorben. — Begnüge dich mit den seligen Stunden, welche meine Liebe dir einst erschuf, geize nicht mehrern nach. — — Vielleicht verstehst du mich nicht; vielleicht glaubst du, ich habe aufgehört dich zu lieben; allein, wenn dieses wäre, so hätte ich mir ja nicht die Mühe genommen dir noch zu schreiben. Nein, Louise wird die Gemahlin des Erbprinzen von Z**, wird das Opfer des politischen Interesse.“
„Als wir uns vor einigen Jahren im Garten von Dosa sahn, damahls, mein Lieber, reiste ich an den Hof, dessen Erbprinzeßin ich nun bald sein werde. Holder, ein gewisser Aellmar, und ein alter Rath am Hofe meines Bruders ließen mirs wissen, daß du mich noch mit aller Liebe liebtest, daß ich dir in der Nähe vorüberreisen würde, daß ich dich an einem dritten Orte noch einmal sehn, noch einmal sprechen könnte, — ihnen also hast du unsere Zusammenkunft in Dosa zu danken.“
„Und nun, Florentin, tröste dich. Ein Mann wie du findet leicht mehrere Louisen, aber ich werde keinen Florentin wieder finden. Der Erbprinz besizt zwar der männlichen Schönheiten manche, aber sie sind doch nur kaum ein Schatten von den Deinigen. Und vielleicht — vielleicht sind wir so glüklich auch künftig noch unsrer geheimen Liebe Nahrung zu geben; vielleicht darf dich auch noch einmal die Erbprinzeßin umarmen. Leb wohl, sei heiter und vergiß — oder vergiß nicht die ehmalige
geliebte Louise.“
„Ja, ich will deiner vergessen, ehmahlige Louise!“ sagte der Graf: „denn du hast meiner vergessen. — Freilich wie konnt ich armer Thor es hoffen, daß eine Fürstin mir treue Liebe vergelten würde, und doch war diese Hofnung so reizvoll für mich! — Ach, auch diese Freude ist mir genommen; o, ich sehe eine Lebensperiode vor mir, die die schreklichste ist, welche je ein Sterblicher durchwandeln mußte. — Nun lebe wohl, Kanella, durch mich glüklich gewordnes Kanella, lebe wohl; der dir dein Leiden abnahm, wird elender als er zu dir gekommen, deine Gränzen verlassen!“