Nichts liessen die edlen Kanelleser unangewandt den bedauernswürdigen Grafen bei sich zu behalten. Vergebens boten sie ihm grössere Macht und höhern Rang an; umsonst flehten ihn weinend die schönsten Damen der Republik auf dem Balle im Florentinischen Pallast an, daß er zurükbliebe — nichts vermochte bei ihm etwas. Er suchte Ruhe, Ruhe, die er nicht im glänzenden, geräuschvollen Stande zu Kanella, aber vielleicht wohl in den väterlichen Gegenden, in der Mitte seiner theuern Verwandten, finden konnte. Hier glaubte er seiner Leiden vergessen, seines Herzens Wunden heilen, seinen sonstigen Frieden wieder gewinnen zu können.

„Ah, wär ich ein Kind geblieben, seufzte er: so wär ich glüklich geblieben. Nun wohlan, so laßt mich hinziehn in jene Thäler, wo ich den Morgen meines Lebens durchtändelte; laßt mich hinziehn zu jenen Hainen, zu jenen Thälern, wo ich unschuldsvoll am Mutterbusen der gütigen Natur hing und keinen Schmerz, keinen Seelenharm kannte. Laßt mich wiederum werden wie ein Kind, und meines Daseins Stunden in mir selber verleben. Ja, es ist wahr, und abermahls wahr: selten, ist der Mensch in der Gegenwart glüklich, am meisten in der Vergangenheit, und Zukunft, in der Rükerinnerung und Erwartung!“

Borghemo, Giovanni Borsellino, der alte Eo, die schwarzen Brüder von Kanella, da sie sahen, wie unabänderlich Florentins Entschluß sei, ergaben sich mit traurenden Herzen in seinen Willen — alle nahmen sie den wehmüthigsten Abschied. Duur, der sich so leicht an gleichgestimmte Seelen kettete, litte ungemein, da er einen seiner Freunde nach dem andern von ihm hinweg eilen sah. Nur Dulli wollte nicht von seinem Herrn ablassen; allein Florentin selber fesselte ihn an sein Vaterland.

Einige Tage vor der Abreise rief ihn der Graf zu sich. Dulli trat wohlgemuth ins Zimmer, aber erschrokken fuhr er drei Schritte zurük, da er an der Seite des Grafen seine halbvergeßne Ladda erblikte.

Sie sehen alle vergangne Szenen der Liebe wieder heim rufen in die Seele, sprachlos ihr entgegen wanken, Vorwürfe und Verzeihung im Blikke tragen — war das Werk einer Minute.

Florentin. Nun, Dulli? kennst du dies schöne Mädchen?

Dulli. (mit beklemmter Brust und Freudenthränen) Ach, Ladda!

Ladda. (indem das stürmische Steigen und Sinken ihres Busens die Gefühle des Herzens verräth) Mein lieber — lieber Dulli!

Dulli. Du hier?

Ladda. Ich suchte dich, und habe dich gefunden.