Dulli. Und hofftest von mir noch Liebe?
Ladda. (mit Seelenruhe im glänzenden Auge) Ich hoffe sie. — (Pause. Sie tritt ihm näher) Dulli! (sie ergreift seine Hand und drükt sie weinend an ihren Mund) Mein Dulli!
Dulli. (ihr an die Brust sinkend) Ach, ja, Ladda, meine Ladda, Dulli liebt dich noch! —
Mit unbeschreiblicher Wonne lagen sie beide lange einander in den Armen, küßten sie sich der Versöhnung süssen Kuß, und vergaßen sie des Grafen, der ein gerührter Zuschauer dieses schönen Schauspiels war. Selber ein Unglüklicher in seiner Liebe ward er der Schöpfer fremden Liebes-Wohls. —
Viel zu fest waren die Banden, mit welchen Dulli nun an Kanella gebunden lag, als daß er sie hätte zersprengen und seinem geliebten Herrn folgen können, der begleitet von den Ersten der Republik, Kanella verlies.
Viertes Kapitel.
Der große Florentin im Vaterlande.
Müd’ und Thatensatt eilte Duur in Gottholds Gesellschaft der Heimat entgegen. Sobald er die deutsche Gränze erreicht hatte, schrieb er sogleich an seinen Onkel folgenden Brief:
„Mein Onkelchen!“
„Ihr Neffe, Ihr Florentin kömmt, um bei Ihnen, so lange Gott es will, zu leben. Ich habe manches unterdessen erlitten, manche Thräne unterdessen geweint, — verfolgt vom Schiksal, fliehe ich in ihre väterlichen Arme zurük; da werd’ ich sicher ausruhn dürfen vom Sturm des Lebens. Nicht wahr, Sie haben sich eben so oft nach mir gesehnt, wie ich mich nach Ihnen — jezt werden unsre Wünsche erfüllt werden, wird uns beiden wohl sein. — Höchstens in vier Wochen treffe ich auf Ihrem Landgute ein, höchstens in vier Wochen küß’ ich Sie und meine Schwester und meinen Holder! O, ich zittre so bang, als würde ich die göttliche Stunde des Wiedersehns nicht erleben. — Wie viel werden wir da uns zu erzählen, wie viel uns da zu klagen haben! — Ich stelle mirs schon im Geiste vor, wie sie hervorstürzen werden aus dem Schlosse, wenn Sie die Hufen meines Pferdes schlagen hören; wie Rikchen weinend an meinem Halse hängen, Holder mich feurig umarmen wird. Ich fühle schon alle Freude voraus, die dann — ach, dann mir allein angehören werden! —“
„Hat sich vieles während unsrer Trennung auf dem Schlosse verändert? — lebt der alte Herr von Bastholm noch? Laden Sie ja ihn und den ganzen benachbarten Adel ein, daß nichts in unserm Feste mangle, was ihm Reiz gewähre. Leben Sie wohl indeß; leb’ auch du wohl, geliebtes Rikchen, die ich nun bald umarme; küsse deine Kinder — wenn du Mutter bist, denn ich weis ja noch gar nichts von Euern häuslichen Umständen, weil Ihr mir keine Nachricht gegeben habet, ihr bösen Leutchen! — und bleibt mir alle gewogen, Euerm Florentin.“