Dieser Brief hatte kaum das Duursche Landgut erreicht, als auch unser Graf schon mit seinem Gotthold daselbst anlangten.
Es war des Morgens. Die herbstliche Sonne hing hinter Nebeln verschleiert; die Felder standen, ihrer Halme und Goldähren entmäht, kahl und reizlos; die Natur schien sich allmählig, ihrer Arbeiten müde, zum Wiederschlafe zu bereiten — gelb und welk floß das Laub in kalten Morgenduft.
„Wir sind zur Stelle, Gotthold!“ rief der Graf, indem er den krummen Fahrweg zum Dorfe seines Onkels hinuntertrabte.
Gotthold. (freudig) Ja, ja! Sehn Sie nicht dort — dort wo hinter den Ulmen die graue Kuppel des Duurschen Schlosses hervorragt?
Florentin. Ich seh’s! Laß uns hier die Pferde ein Weilchen anhalten! — o Gott, mein Blut wallt ungewöhnlich, ich bin ausser mir!
Gotthold. Ach, da meine Eltern noch in dem Dörfchen hier lebten, da war ich wohl glüklich! Sehn Sie, gnädger Herr, hier rechts den Hügel hinter den beiden Scheunen? Sehn Sie die hohe Fichte darauf? — die hab ich als Knabe dahin gepflanzt, weil mir der Berg und die Aussicht von ihm hinab so wohl gefiel.
Florentin. Und bemerkst du nicht drunten den Bach? siehst du den Steig hinüber? Da baut ich meine Kähne, als Kind und lies ich meine papiernen Flotten aussegeln.
Gotthold. Ach, es waren schöne Zeiten.
Florentin. Waren schöne Zeiten, und sollten sie nicht wiederkehren? — O, gewiß! gewiß!
Gotthold. Aber es ist alles so still!