Florentin. (schwankend) Alle zugleich; führe mich zu allen. Und Karl — Karl ist hier im Schlosse?
Holder. Ja wohl!
Florentin. O, so führe mich zu meinem Sohn!
Holder, der so gern die fürchterlichste Schwermuth hinter seinem Lächeln und Scherzen verstekken wollte, ergrif die Hand des gerührten Vaters, welcher jezt zum erstenmahl die Frucht seiner Liebe umarmen sollte, und leitete ihn in ein bekanntes Kabinet, wo, halbnakt, blühend, schön und unschuldig ein Liebesgott auf weichen Pflaum hingestrekt schlummerte.
„Dies ist dein Sohn!“ sprach Holder und zeigte mit der Hand auf das schlafende Kind.
Der Graf stand frohbestürzt an Karlchens Bett; seine Augen wurden naß; seine Lippen bebten von einem Segensspruch über den schlummernden Sohn; bestürmt von den unaussprechlichen süssen Vaterfreuden sank er hin über den schönen Knaben, ihn mit tausend Küssen erwekkend.
„Karl! mein Karl!“ jauchzte Florentin mit väterlichem Hochgefühl.
Ein großes liebliches blaues Augenpaar schlug der Knabe auf, hochverwundert ob der fremden Erscheinung.
„Oheim Holder!“ rief er mit süsser, furchtsamer Stimme: „wer ist der Mann?“
„„Dein Vater!““ entgegnete Holder: „„dein von dir so lange erwarteter, lieber Vater ists!““