Rosaffa. Moriz ist ein fürchterlicher Mann; ich glaube seine trozzige Miene allein schon kann eine Armee in die Flucht jagen.
Piedro. Sind die Unruhen von Bedeutung?
Kardinal. Noch nicht, könntens aber werden. Alles die traurigen Folgen der Freigeisterei und eingerißnen Aufklärungssucht. Wehe, wehe dem Staate, wo diese herrschen! — doch ich denke ja mit der Hülfe des Himmels und Ew. Durchlaucht bald die Kezzereien auszurotten, und Ihre Unterthanen in ein sanftes, frommes, gottgefälliges Volk umzubilden. Ei, ei, ei, Dero Durchlauchte Vorfahren haben das Uebel schon zu tief — —
Piedro. Verbessern Sie, Herr Kardinal. Und, wie gesagt, jedem widerspenstigen Buben die Kugel oder den Galgen.
Rosaffa. Wenn marschieren die Soldaten aus?
Piedro. Wir sehen sie morgen vor unserm Pallast durchziehen. (er flüstert der Gräfin etwas ins Ohr.)
Rosaffa. (beleidigte Schaamhaftigkeit affektirend) Nicht doch!
Kardinal. (empfiehlt sich)
Prinz Moriz empfieng noch an selbigem Tage vom Hofe Befehl in Kanella zu bleiben, weil hier seine Anwesenheit vonnöthen sei. Zwar war ihm dies eine sehr ungelegne Ordre; doch einige Zeilen von Benedettos Hand beruhigten ihn, machten ihn sogar zufriedner mit seinem Heimbleiben, als seiner determinirten Abreise.
Ich darf den Karakter Morizens meinen Lesern nicht erst schildern; wahrscheinlich kennen Sie den Mann noch, nebst seinem getreuen Flimmer, aus seinen Händeln mit den schwarzen Brüdern und den Grafen Duur in Herzog Adolfs Residenz. Hier am Hofe zu Kanella wurde er, wie man sieht, ungemein geschäzt. Besonders bediente sich seiner Benedetto treflich, weil dieser schlaue Mönch durch ihn manches Plänchen zu realisiren wußte, welches nur durch einen so wilden, rauhen Moriz realisirt werden konnte; denn ausser diesem war das ganze Hofvolk ein Heer entnervter Wollüstlinge, Sodomitten und Tribaden.