Es waren viele Edle und Senatoren in dem Trauerzimmer versammelt — alle bemitleideten in den zärtlichsten Ausdrükken den leidenden Giovanni.

„Nein, nein,“ unterbrach er sie: „tröstet mich nicht, das Werk der Barmherzigkeit will ich an mir selber verrichten. Das Blut des Mörders löschet meine Wuth früh oder spät! — O, namenloser Verbrecher, o Mörder! Mörder, verflucht seist du vor dem Schöpfer und der Kreatur, verflucht sei dein Schlaf und dein Wachen, verflucht der Becher, den du leerst, verflucht sei der Bissen, welcher dich sättigt. — Es rüttle dich aus mitternächtlichem Halbschlummer Borsellinos Geist, es verjage dir die Freude des Tages Borsellinos Gespenst! — Mörder, entsezlicher Mörder, sichre dich, denn die Rache schläft nicht. — Verflucht will ich sein vor dem Weltrichter ewig, wenn ich nicht die Blutsünden abwasche — verflucht sei der Gedanke, welcher sich in meine Seele hineinstiehlt, ohne daß Rache ihm dieselbe aufschloß — es verdorre meine Hand, die sich dir friedlich darreicht, es verblinde mein Auge, wenn es dich anlächelt. Drükke ich einst den lallenden Säugling an mein Vaterherz, so sei das erste Gebet, welches ich ihn lehre, der gräslichste Fluch über dich und deine dann vermoderte Asche! — Oh! oh!“ —

Der ganze Senat, unzähliche vom Adel, zahlloses Volk begleiteten den Sarg zum Grabe, in einem feierlichen Zuge, desgleichen in Kanella noch unerhört war.

Was Giovanens Prozeß betraf: so wurde vom Fürst dahin entschieden, daß, weil Borsellino einen frevelhaften Aufruhr begonnen, derselbe das Leben gerichtlich hätte verlieren müssen, da aber der natürliche Tod seiner Strafe zuvorgekommen; so würden die Erben des Delinquenten verbunden sein, drei Viertel vom Vermögen desselben, als Strafgebühren, zu entrichten. Von Rechtswegen.

Giovanni liebte die schöne Laura, Tochter des edeln Kanellesers Eo. Viele Wochen verflossen, ehe Giovanni zu seiner Geliebten ging. Er fand sie das erstemahl, als er sie wieder erblikte, in Thränen. „Nun, trautes Mädchen, wirst du nie Giovannens Weib — was soll dir ein armer Edelmann?“ sagte er. Laura war untröstlich; der junge Borsellino unerschöpflich an Witz, das arme Mädchen zu foltern. „Ich sehe dich gern leiden, denn dein Leiden quält mich zum Ziele hin, das mir vorgestekt ist. Morizens lezte Nacht sei unsre Hochzeitnacht! verstehst du mich?“

„„Ich hab’ Euch verstanden, edler Borsellino,““ sagte der alte Eo, indem er ins Zimmer hereintrat, und von mehrern Edelleuten begleitet wurde: „„seht hier Eure Freunde, die Euch zur baldigen Hochzeit helfen wollen.““

Giovanni war bestürzt; er bat um Erklärung des Räthsels und man gab sie ihm mit den Worten: „Wir alle arbeiten an Morizens Fall — arbeiten an Aufrechthaltung des Senats, des Adels und der Bürgerrechte. Piedro ist ein schwacher Fürst, es gilt eine gewagte That! — Ihr seid unser Genosse?“

„„Mit Herz und Hand!““ erwiederte glühend Giovanni und warf sich den Männern in die Arme.

In öftern Zusammenkünften entwarf man den Plan, aber die Meinungen waren beständig getheilt. Einige drangen nur auf Morizens Wegräumung, andere auf allgemeine Reform der Regierung.

Man suchte beides zu verbinden — es gelang; es wurde die lezte nächtliche Zusammenkunft bestimmt, in welcher die Rollen vertheilt werden sollten.