Die Nacht erschien und jeder der Verschwornen mit ihr im Pallast des Eo. Ihre Zahl war vierzig. Die folgende Nacht wurde zur Ausführung des patriotischen Entwurfs geweiht. Zehn Edelleute sollten nach Mitternacht in Morizens Schloß eindringen und ihn ermorden oder lebendig fangen. Eben so viel sollten sich des Fürsten und des Kardinals zu gleicher Zeit versichern; dann sollte mit den Glokken gestürmt, das Volk versammelt und Freiheit ausgerufen werden. Im Fall einer Widersezzung der Fürstlichgesinnten, müsse jeder der Verschwornen Sorge tragen, eine gewisse Anzahl Bürger bereit und unter Waffen zu halten.

Der Plan war in der That sehr unreif, doch die Rache- und Freiheitdurstigen achteten es für Feigheit länger zu projektiren und die Unternehmung aufzuschieben.

„Auf!“ rief der begeisterte Giovanni: „laßt uns in dieser lezten Nacht den Bund besiegeln mit Eiden — Leben für Leben, Tod oder Freiheit und Rache!“

„„Leben für Leben! Kanella frei, oder wir verderbt!““ schrien alle, und wilde Schwärmerei umfaßte sie.

Die Weinbecher wurden gefüllt und geleert. „Borsellinos Geist umschwebt uns!“ rief Giovanni: „er sieht wohlgefällig unsern Bund! wohlan, laßt uns gehn und ringen, als Brüder oder sterben mit Brudertreue. Heda, wir trinken Bruderschaft, nicht etwa in Wein, sondern in unserm Blute. Auf, folgt mir nach!“

Er ergrif ein Messer, sties es sich in die linke Hand, daß das rauchende Blut in seinen Pokal stürzte. Jeder that ein gleiches; ging durch einander her, lies jedem von seinem blutigen Becher kosten, und trank von des andern Blut.

Aber mitten in dem Rausch dieser Begeisterung öffneten sich die Thüren — es blizten Gewehre herein — die Verschwornen erstarrten, die Leibwache Piedros besezte rings das Zimmer und rief: „ergebt euch auf Gnade und Ungnade!“

Viertes Kapitel.
Das Haus im rothen Walde.

„Es ist unverzeihlich, daß wir Florentinen so lange verließen, ohne uns zu bekümmern, wem das Haus im Walde angehörte, wer die Thür öfnete, wen Florentin hier erblikte und welche Miene er annahm, als er wieder herausging? Was interessirte uns der wollüstige, Kabalensüchtige Hof zu Kanella? was jenes unzufriedne feige Volk, das nicht Muth genug hatte seine Ketten abzuwerfen? was die Borsellinos, Giovanni’s, Lauren und Eo’s?“

Machen Sie mir keine Vorwürfe, meine Leser! Es ist nun einmal meine Absicht, mich ungenirt auf meinem wilden Pegasus Fantasie herum zu tummeln, und ohne mich nach den Launen und der Neugier meiner Beobachter zu richten, bald in Osten, bald in Westen, bald unter guten, bald unter schlechten Menschen, bald in den lieblichen Revieren ländlicher Einfalt und Unschuld, bald an Höfen, wo Kunst die Natur verstümmelt und verzerrt, bald auf schauerlichen Wahlpläzzen, wo ein leidendes Volk verzweiflungsvoll nach Freiheit ringt, zu schwärmen.