Doch, ohne uns länger die edle Zeit mit Gezänken zu verderben, laßt uns mit Florentin in die ehrwürdige Provinzialversammlung der schwarzen Brüder treten. Wahrscheinlich erhält mancher Leser, welcher nach Aufklärung über das Wesen derselben dürstet, mit dem gräflichen Novitz, Befriedigung.
„Wer hauset hier?“ fragte Florentin den Bruder Holzhakker.
„„Der Forstmeister Blattrabe, ein Schwarzer!““ antwortete Hugo. Dieser führte seinen Mann in ein Zimmer, kleidete ihn da in ein schwarzes Gewand, öffnete darauf eine Nebenthür und lies den frohbestürzten Duur hineintreten.
Florentin sah sich wieder in der Mitte der Unbekannten, wieder in seinen Traum zurükgesezt. Es war ein großer, prächtiger Saal, erleuchtet von unzähligen Wachskerzen, angefüllt von einer ansehnlichen Menge schwarzer Herrn. Viel derselben eilten ihm sogleich entgegen, umarmten ihn, wünschten ihm Glük zur Aufnahme in den Bund der schwarzen Brüder, sprachen mit ihm von gewissen Szenen seines Lebens so bekannt, so vertraut, als wären sie Zuschauer und Theilnehmer derselben gewesen.
Man mischte sich brüderlich untereinander, füllte die Weingläser, sang feierliche Bundesgesänge; trank Gesundheiten und rief mehr als einmahl: es lebe republikanische Freiheit.
Aber Florentin wußte sich eigentlich noch nicht in diesen Wirrwarr zu finden; sein Herz sehnte sich nach dem, was Holder ihm verheissen hatte, und welches er gewiß hier antreffen sollte. Doch es vergiengen anderthalb Stunden, ehe man Miene machte, die Nacht mit etwas anderm, als Singen, Trinken, freundschaftlichen und politischen Diskursen hinzubringen. — — —
Mit einemmahle änderte sich die Szene. Jeder riß den Faden des Gesprächs ab; dieser sezte das schon zum Trinken aufgehobne Weinglas nieder, jener verzog sein Lächeln in die Falten des Ernstes. Aufmerksam wandte sich jedes Angesicht zu einem erhabnen Stuhle, welchen ein Greis so eben in Besiz genommen hatte.
Einige Minuten herrschte eine ungewöhnliche Stille, wie in einer Todtengruft; alles schien sich zu einer merkwürdigen Sache vorzubereiten.
„Nun, Vinzenz,“ sprach der Greis vom Stuhle herab, indem er dem Grafen mit der Hand winkte: „nun tretet mir näher.“ Florentin gehorchte; er ging näher zu dem Manne, dessen Anstand, Gebehrden, Sprache und Gesichtszüge ganz dem Ideale entsprach, welches sich unsre Einbildungskraft von Ehrfurcht erwekkender persönlicher Majestät zu machen gewohnt ist. Florentin hatte vor Fürsten gestanden, aber nie einen solchen Grad der Hochachtung empfunden als izt.
„Wir haben Euch werth gefunden ein Glied in der Kette der schwarzen Bruder zu werden!“ fuhr der Mann fort, welcher Verehrung abzwang: „Euer Wunsch sei Euch gewährt. — Bruder, unser aller Bruder, bedenket wohl, zu welcher Menschengattung Ihr gerathen seid! Bedenket wohl, daß von nun an das allgemeine Glük des Menschen euch näher liegt, als sonst — daß Ihr nicht mehr so sehr für Euer Interesse allein arbeiten dürfet — daß klippenvolle Umwege künftig Eures Lebens Pfade, Gefahren Eure Führerinnen, Mühe und Sorgen Eure Erholungen, und Undank der Menschen Eure Belohnungen sind! — Noch einmahl dürfet Ihr wählen: bleibt und seid unser Bruder, oder gehet, und schweiget von dem was zwischen uns vorgefallen ist.“