Florentin. (den Redner anstarrend) Ich berufen?
Redner. Verhüllt Eure Talente, Eure Wissenschaften, Euern unternehmenden Geist nicht vor uns in den unnüzzen Mantel der Bescheidenheit — Kanella hofft von Euch Freiheit.
Florentin. Werd ich sie dem unglüklichen Staate geben können? — An Muth mangelts dieser Brust nicht, ein solches gefährliches Wagstück zu wagen; schon der Gedank’ ist begeisternd, es zu unternehmen, was nur die größten Männer je unternahmen, wenn auch eignes Unglük nothwendig an das Glük Kanellas gebunden läge — aber — — —
Fünftes Kapitel.
Etwas für Republikaner.
Ich weis nicht, ob ich nicht mancher meiner Leser — ermüden würde, wenn ich ihm von den politischen Plänen der schwarzen Herrn vorplauderte; ich weis aber auch nicht, ob ich manchem gefallen könnte, wenn ich die Gründe des schwarzen Bundes zu Staatsreformen verschwiege — beiden also ein Genüge zu thun, widme ich diesem Stoffe ein eignes Kapitelchen, welches nun nach Belieben zu lesen oder zu überblättern ist.
Florentin, der düstre, wilde Florentin, welcher so unglüklich war, Alles zu verlieren, was ihm hienieden Seeligkeit war, eine Geliebte, viele Freunde und Freundinnen, Verwandte, Vaterland, Aussichten in ein Thatenreiches Leben zu verlieren; Florentin, dessen brennender, unersättlicher Durst nach Ruhm und großen Handlungen aus jeder seiner ehmaligen Absichten zu erkennen war, und welcher jezt in der Mitte von Männern, die mit ihm so sehr in diesem Punkte harmonirten, doppelt anwuchs; Florentin, der jedes, auch das geringste Elend des Menschen so innig mitfühlte, der aus jenem erkünstelten, wachendgeträumten Traum einen fürchterlichen Haß wider alle fürstliche Despotie eingesogen hatte — dieser Florentin, sage ich, konnte unmöglich länger einem Antrage widerstehn, der so sehr allen Gefühlen, Affekten und Leidenschaften in ihm schmeichelhaft klang.[5)] — Er hätte lieber aufjauchzen mögen im Hoch- und Frohgefühl seiner Seele, bei dem Zuruf der Schwarzen: „seid Kanella’s Retter!“ als einen unnatürlichen Widerwillen oder Gleichgültigkeit zu simuliren. — Er konnte nicht lange diese Maske tragen; er warf sie ab und alle Anwesende riefen ihm Beifall und Glükwünsche.
Der schwarze Redner aber reichte ihm ein versiegeltes Paket Schriften, welches fernerweitige Instrukzionen des Ordens bei dieser seiner Operation enthielt, welche der Graf zu sich nahm, und worauf jener so eine Apologie dieser Handlung des Ordens anhub:
„Brüder, der Zwek unsers alten Bundes wars immer: Beförderung menschlicher Glükseligkeit, sie zu bewachen in einzelnen Personen und im Ganzen. Der feinsten Moral wird durch diesen Grundsaz nicht wehe gethan, eben so wenig durch die Mittel denselben anwendbar zu machen!“
„Und wenn nun ein ganzes Volk unterm Tyrannenjoche seufzend, seine Rechte zertreten, seinen Handel und Gewerbe blütenlos, seine Freuden vernichtet sieht — sollte solch ein Gegenstand, welcher das Gefühl jedes Menschen empört, nicht auch unser Erbarmen rege machen? Freiheit ist nun einmahl der Natur schönstes Vermächtnis an den Sterblichen, darf ein Mensch dieses dem andern gewaltsam oder listigerweise rauben? Sklaverei ist der Tod alles irdischen Glüks! —“
„Zwar hat das Volk seinem Fürsten gewisse Rechte zuerkannt, aber nie das Recht der allgemeinen Freiheitsräuberei. Das Volk ist nicht um des Fürsten willen, sondern der Fürst um des Volkes willen vorhanden.“