„Jeder Staat ist an sich eine Republik; bürgerliche Ordnung und Sicherheit zu erhalten mögen mehrere, oder einer die Aufsicht über das gemeine Wesen haben, — gleichviel, wenn nur die Beschüzzer der Ordnung und Ruhe ihre Pflicht erfüllen, daß Gott und Menschheit zufrieden sein dürfen. Wie aber, wenn das Gegentheil eintritt? soll da das Volk verzweifeln und schweigen? soll der zertretne Wurm sich nicht krümmen dürfen unter den eisernen Fersen der Grausamkeit? soll das freigebohrne Volk seine geraubte Freiheit nicht wiederfodern dürfen?“
„O, es müssen viele Szenen vorangehn, ehe die Nazionen sich auflehnen, ehe die Liebe zu ihren Beherrschern ausgetilgt wird! Nur die Verzweiflung wagt erst einen solchen Schritt, aber dieser ist dann auch desto fürchterlicher!“
„Nur erst, wenn jede andre Hoffnung dem bedrängten Volke entschwindet, wenn eine ganze Reihe von Tyrannen und Tyranneien die Geduld desselben ermüdete, wenn neue Neronen zum Ruin des Landes ausgebildet, die traurigste Aussicht in die Zukunft darstellen, nur dann erst ist das Volt berechtet, eigenmächtige Veränderungen in seiner Regierung vorzunehmen.“
„Brüder, sehet auf manche Staaten Europens — und fühlet Ahndungen. Nicht vergeblich hat der Orden der schwarzen Brüder allenthalben und durch mannigfache Mittel den Geist der Freiheit auszubreiten gesucht — nicht umsonst sind dadurch hie und da kleine Revolten entsprungen; alles dies geschah die Landesherrn aufmerksamer auf ihr, ihnen vom Volke anvertrautes, Amt zu machen, wehe ihnen, wenn sie diese unsre Winke mißverstehen!“
„Hätten alle Nazionen nur Josephe, Friedriche, und Wilhelme auf ihren Thronen, o, so würde nie ein Miston in die Hymnen derselben auf ihre Fürsten einschleichen! Aber mancher Staat ist unglüklich genug, einen Piedro, einen Ludwig als seinen Landesvater verehren zu müssen, unglüklich genug noch eine ganze Reihe von Piedronen und Ludwigen erwarten zu müssen, — darum, Freunde habet auf die Folgen wohl acht!“
„Auf, Vinzenz, flieget nach Kanella, feuert den Genius des Volkes wieder an, groß und liebenswürdig zu sein, wie ehmals; durchspähet die Intriguen der Mittyrannen Piedros, wiegelt Volk und Fürsten gegen einander auf, verlieret eher Euer Leben, als Euern Muth. Freilich ist der Kampf zwischen Sklaverei und Freiheit schreklich, er wird mit Bürgerblut verbunden sein; aber der Staat laborirt an einer Todeskrankheit, Ihr seid der Arzt; laßt es immer hin zur furchtbaren Krisis kommen, die Krankheit muß sich brechen. Eilet hin, Piedros Grausamkeiten ein Ziel zu sezzen, — ein andrer soll, später oder früher Ludwigen ein Gleiches thun![6)]“
„Aufklärendes, herrliches Jahrhundert, du erschienst den Erdbewohnern in einem glänzenden Gefolge — führst du uns nicht auch die goldne republikanische Freiheit zu? — Geht, Vinzenz, wir sehen im Geiste einen schönen Ausgang Eurer Unternehmungen zuvor. Und sollte Euer Muth erschlaffen: so suchet in den Jahrbüchern der Welt die seligsten Perioden der meisten Völker auf, Ihr werdet sie finden unter der Rubrik: republikanische Staatsverfassung. Forschet dann nach den traurigsten Zuständen der meisten Völker, Ihr findet sie größtentheils unter der Regierung monarchischer Despoten. Rom und Griechenland sanken, als sie nicht mehr frei waren, die nordamerikanischen Freistaaten stiegen empor, da sie frei wurden!“
„Gegen einen Numa, Titus, Mark Aurel, Alraschid, Nusirvan, Heinrich IV. Friedrich II. Joseph II., Fr. Wilhelm II. findet Ihr immer zehn Alexanders, Solimanne, Tarquine, Neronen, Kaligulas, Herodesse, Genserichs, Christierne, Mulei Ismaels, Karl XII., Philippe II. u. s. w. Gelüstet Euch zur Belustigung von Bluthochzeiten, oder Greueln eines Alba zu lesen: so forschet in den monarchischen Regierungen nach. Und erwacht dann nicht Euer Muth, empört sich dann nicht Euer Herz, erglühet dann nicht Euer Busen vom Thatensüchtigen, Hülfe und Rettung suchenden Erbarmen: so habt ihr nie an den Brüsten einer Sterblichen gesogen! — Auf, es lebe die Freiheit, sei es in Demokratien, oder weisen Monarchien![7)]“
Der Redner riefs, und die Versammlung der schwarzen Brüder stimmte Tutti ein: es lebe die Freiheit! die Gläser wurden geschwänkt, Gesänge der Freiheit wurden gesungen, und, trunken von lieblicher Schwärmerei schied man beim Anbruch des Morgens auseinander. In einer Chaise des Forstmeisters Blattrabe traf Florentin an eben dem Tage wieder zu Munchenwall ein.