„Nun, Schurke, was hältst du denn vom Grafen?“

„„Daß Ihr seine Größe nicht fasset, und ich seine Pläne nicht durchschaun kann.““

„Gieb ihm den Brief!“

Der Graf erhielt den Brief, der nichts geringers, als eine Herausfoderung zum Duell enthielt. Florentin konnte sich des Lächelns nicht erwehren; Dulli und Badner gaben auf sein Mienenspiel Acht. Er schrieb noch in der Nacht ein Billet, welches sogleich an Ort und Stelle gebracht wurde; zwar nicht an Borghemo selbst ging, aber doch die Widerlegung desselben betraf. —

„Was spricht man von mir in Kanella?“ fragte er Dulli’n und Badner’n, welche ihm vorm Schlafengehn die Geschichte des Tages zu rapportiren pflegten. Beide bezeugten, wie mit einem Munde, daß sein Kredit noch der alte sei, nur daß man vielerlei über seine Rolle am Hofe kannengiessere. — — — — —

Viertes Kapitel.
Neue Verwirrungen.

„O!“ rief Borghemo am folgenden Tage in wilder Wuth, als er sich auf dem in seinem Billet Florentinen genannten Kampfplazze eingefunden und schon, seinen Gegner erwartend, einige Gänge auf und ab gemacht hatte: „O, Freundschaft, Redlichkeit, Freiheit — was seid ihr? Doch nur Ideale, todte, unnüzze Ideale, dem Gehirn der Dichter in schwärmerischen Stunden entsprungen, welche das schönste Thier in der Schöpfung bewundert, aber in sich zu realisiren weder Muth noch Kraft hat! — Daß ich so belogen werden konnte, so — so von einem Duur! — — Nein, erschien mir jezt ein Engel vom Himmel, ich würde seiner Larve und seinen Worten nicht mehr trauen. — Freundschaft! ist dies nicht heuer ein Modegedanke, worin sich verkrüppelte Seelen verstekken, wie häsliche Gestalten hinter ihren Puz? — O, verdammt, von solchem Abentheurer betrogen zu werden!“ — —

Borghemo schlug sich mitgeballter Faust vor die Stirn — ging einige Schritte vorwärts — blieb stehn, — sah nach der Uhr und lachte gräßlich auf: „Er kömmt noch nicht! pfui, des elenden Feiglings! er, — er eine Revoluzion bewirken? — ha, ha, ha, wahrscheinlich unter den Weibern des Hofes! er die despotische Regierungsform zerstören, die mit tausend Klingen verfochten werden dürfte, er, der sich vor der meinigen allein schon fürchtet? —“

So tobte er eine Viertelstunde hindurch, ohne zu bemerken, daß der Plaz, auf welchem er sich befand, der zwar ein schöner Spaziergang vor der Stadt war, aber doch nur selten besucht wurde, jezt, und zwar zu einer sehr ungewöhnlichen Stunde, denn es war früh nach Sonnenaufgang, ziemlich lebhaft geworden. Ueberall, wohin er um sich her sah, erblikte er zu seiner unaussprechlichsten Verwunderung bekannte und unbekannte Männer, höhern und niedern Ranges, einzeln und in Gruppen lustwandelnd.

Er blieb eine Weile, wie versteinert, stehn: ging dann zu dem nächsten, ihm bekannten Mann, um sich über diese Szene Licht zu verschaffen. Kaum daß er sich diesem näherte, so zogen sich auch alle übrige Personen, wie nach einem verabredeten Signal, um denselben zusammen. Borghemo’s Erstaunen wuchs immer mehr, und noch mehr, da ihm der bekannte Mann folgendes sagte: