„Edler Borghemo, Ihr erwartet den Grafen, aber vergebens, denn seine Zeit ist jezt zu köstlich, als sie mit Euch hier zu versplittern, und die Gesundheit seiner Gliedmaßen ihm für den Tag der Revoluzion zu theuer, als daß er sie hier Eurer Laune und Eurer aufbrausenden Hizze opfern sollte. Gesezt, daß er bei dem nahen Aufruhr sein Leben nicht einbüßt, so steht er euch gleich den folgenden Tag darauf zu Diensten. Dies ists, was er Euch durch mich sagen läßt.“

„„Aber ich begreife nicht — —““ stotterte Borghemo und warf seine Augen auf die ihn umgebenden Männer.

„Leicht möglich!“ antwortete man ihm: „Was die lieblosen Beschuldigungen betrift, welche Ihr ihm gestern in dem bewußten Billette machtet, so hört dies darauf zur Erwiederung: Duur verdient sie nicht. Daß er Eure Freundschaft der, gegen den unglüklichen Staat, hintenansezt, werdet Ihr ihm hoffentlich verzeihen; daß er, wie Ihr ihm vorwerfet, seine großen Versprechungen in Absicht der Befreiung Kanella’s vergessen, darüber werdet Ihr in Kurzem vom ganzen Staat die Antwort hören; und daß er schon viel gethan hat, und nicht wenig Anhänger besizt, — davon könnt Ihr Euch durch uns überzeugen lassen, indem jeder von diesen bereitwillig ist, sich statt seiner mit Euch um Leben und Tod zu schlagen, wenn Ihr anders noch nicht hinlänglich vergewissert seid, wie sehr Ihr dem Grafen Fiorentino Unrecht gethan habt.“

Der gute Borghemo war noch nicht ganz zu sich selber gekommen, und er stand nahe dabei, alles das, was er sah und hörte, für ein Gaukelspiel seiner Einbildungskraft zu halten.

„Fiorentino!“ sagte er: „du hast in der That bewiesen, welch’ ein ausserordentlicher Mann du bist; — ich will gehn und deine verborgnen Pläne im Stillen bewundern!“

„„Wohl!, Fiorentino vermuthete diesen Entschlus von euch,““ antwortete einer aus der Menge: „„kommt mit uns; wir haben Befehl Euch zu uns zu sammeln.““

Wie ein gedankenleerer Träumer folgte Borghemo — — den schwarzen Brüdern nach.

Sehnsuchtsvoller selbst als vom rachsüchtigen Borghemo wurde Duur an eben dem Morgen von Sr. Eminenz, dem Kardinal erwartet, welcher den Grafen und sein politisches, raffinirendes Genie nicht weniger zu schäzzen verstand, als der rauhe Moriz. Der Favorit ließ sich lange vergebens erwarten. Benedetto war sehr unruhig. Er ging von Zimmer zu Zimmer; bald hinaus auf den Altan; bald hinaus in den Garten. Es war dieser Tag für ihn von großer Wichtigkeit, denn er hatte bei sich beschlossen heut gegen Florentinen mit einem wichtigen Projekt hervorzurükken. — Er, der sonst nie zitterte, der sonst keines Menschen Gewalt befürchtete — zitterte jezt bei jedem Rauschen der Thüren seines Pallastes. Er wünschte Duurs baldige Erscheinung und doch machte ihm sein böses Gewissen diesen Mann furchtbar.

„Was hilfts?“ sagte endlich der heilige Mann zu sich trostvoll, indem er seine dürre Gestalt über ein Faulbett hinlagerte: „Es reife endlich, was reifen soll; längerer Verzug ist der Tod meiner Hofnungen. Ob nun der Graf meine Vorschläge acceptiren, meine Entwürfe gemeinsam mit mir ausführen wird — das entscheide dieser Tag. Seine Treue, sein Karakter ist seit drei Jahren und länger der Gegenstand meiner Beobachtungen gewesen, ich hab ihn ächt befunden, täuschen, konnt’ er mich nicht! — Und gesezt, daß er — — nein, unmöglich! Er ist durch Rosaffen zu fest an mein Interesse geknüpft, er liebt sie, und sie ist ja, was sie ist, durch mich geworden; sie ist mit meinen Plänen halbvertraut; ihr ekelt vor Piedro schon und sie kennet ja seine Untüchtigkeit zur fernern Regierung! —“

Indem Benedetto also kalkulirte, fand sich Duur ein. Mit welcher ungewöhnlichen Gnade er von dem feinen Mönch aufgenommen wurde, wie geschmeidig diese steife Eminenz war, wie huldreich lächelnd und vertraulich dessen sonst ernste, zurükschrekkende Mienen sich zeigten, ist beinahe unbeschreiblich.