Florentin. Mir der Revoluzion hat es seine Richtigkeit; in der That muß sich das Volk in einigen Monaten empören, wovon man die untrüglichsten Spuren vorgefunden. — Allein Moriz trift keine Gegenanstalten, sondern — — doch Euch sind ja Morizens Kabinetsgeheimnisse so wohl, als mir bekannt.

Kardinal. (sich vertraulich an ihn schließend) Er will die Regentschaft von Kanella an sich reißen, wenn das Volk im Aufruhr Piedron minorenn am Verstande und der Regierung unfähig erklärt.

Florentin. Ihr habts getroffen.

Kardinal. (hämisch lachend) Ha, ha, ha, ha! (er geht zu einem Pulte und zieht verschiedene Papiere hervor, die er dem Grafen überreicht.) Seht hier! Piedros Untüchtigkeit zur Staatsverwaltung ist allgemein bekannt — der Aufruhr des Volks mag vor sich gehn; er ist nothwendig — aber Kanellas Heil liegt meinem Herzen zu nahe. Seht hier, und leset, wie lange ich deswegen schon mit dem Römischen Hofe korrespondirt habe.

Florentin. (durchfliegt mit froher Bestürzung die Blätter) Ich bin ausser mir!

Kardinal. (wohlgefällig lächelnd) Und seht nun hier das Finale — eine Bulle Sr. päbstlichen Heiligkeit, die mich zum Regenten Kanellas ernennt.

Florentin. (liests) Bei Gott, ja! — Wohlan, ich sprach vorhin mit Euch von gewissen Proben meiner Liebe, welche ich aufzuzeigen hätte. (Er zieht Papiere aus dem Busen) Seht hier — leset dies Bittschreiben von beinah hundert der vornehmsten Bürger Kanellas eigenhändig unterschrieben und an Ew. Eminenz gerichtet.

Kardinal. (wird beim Lesen aus Freuden halb ohnmächtig — er reißt das Fenster auf, lehnt sich lange hinaus, troknet sich die Thräne der freudigen Ueberraschung vom Auge und fällt dem Grafen um den Hals) So hat man mich denn in der That lieb? verlangt mich in der That an Kanellas Staatsruder? — o Fiorentino, Fiorentino! steh mir bei, ich bin zu schwach solche Last zu ertragen! Aber Moriz?

Florentin. Laßt ihn werben, er wirbt vor Euch.

Kardinal. Die guten Bürger sollen in weniger Zeit eines großen Theil ihre ungeheuern Abgaben überhoben werden. Ich wills dahin bringen; notifizirt ihnen das; sagt ihnen, daß es Benedetto nie anders, als wohl mit Kanella gemeint habe und meinen werde. Ich will mich den Kanellesern von der blendensten Seite zeigen.