„Damit die Lust vollkommen werde,“ sagte der brave Commendant: „so soll die Vermählung ebenfalls am ersten September, und zwar auf dem Gute des Grafen von Gabonne vollzogen werden. Rosalia und Imada sind Freundinnen; — das giebt ein Doppelfest, eine Doppelhochzeit.“
Josselin und Rosalia nickten freundlich und schweigend mit dem Kopf.
„Damit aber,“ sezte Josselin hinzu, indem er Florentinens Hand faßte: „unser lieber Freund dort heitrer sey, als ers bei uns izt ist; so werd’ ich mit ihm zu Fuß nach Mont-Rousseau reisen, kreuz und quer durch Deutschland. — Das vertreibt die hypochondrischen Grillen. Vielleicht finden wir unterwegs ein niedliches Mädchen, das sich nicht schämen darf, neben Rosalia und Imada vor dem Altar zu stehn, das nehmen wir mit uns, wenn Florentin will — und die Triple-Allianz ist da. Zum ersten September treffen wir gewiß in Mont-Rousseau ein.“
Rosalia wollte freilich bei diesem Vorschlage etwas böse seyn — aber dann fiel ihr Blick auf den schwermüthigen Duur, und sie wars zufrieden.
Florentin hatte Josselinen selbst gebeten, mit ihm eine solche Wanderung zu unternehmen, weil er doch, vor seinem Rückzuge nach Holders Einsiedelei, die Genossen des dreiundzwanzigsten Jahrhundertes noch ein wenig näher kennen zu lernen wünschte.
Es wurden also die besten Anstalten zu der Pilgerschaft getroffen, und —
Warum soll ich meinen Lesern vorerzählen von den Thränen der schönen Rosalia, die sie beim Abschiede ihrem lieben Josselin und Duur nachweinte? — Warum soll ich die Küsse berechnen, die wechselseitig gegeben und genommen wurden? —
Man reiste ab.
Fünftes Kapitel.
Zuerst ins Tollhaus!
Die Reise hatte für den Bürger des achtzehnten Jahrhunderts kein gemeines Intresse, denn, wo Josselin nichts, als alltägliche Dinge, erblickte, fand Duur bewundernswürdige Neuigkeiten. Jener mußte es sich daher oft gefallen lassen, bei den unbedeutendsten Quisquilien, wie vor ausgemachten Seltenheiten stehn zu bleiben.